USD-Tiefststand erreicht?
Die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten in den USA deuten darauf hin,
dass die Korrektur am Immobilienmarkt ausgeprägter ist als bisher angenommen
und in den kommenden Monaten auch die gesamtwirtschaftliche Lage in den USA
belasten wird. Angesichts dieser ungünstigen Perspektiven gab die Fed ihre
Anti-Inflationshaltung auf und verfolgt nun eine Geldpolitik, in deren
Mittelpunkt die Unterstützung des Wachstums steht. Auf der Sitzung am
18. September senkte sie die Zinsen um 50 Basispunkte und für den
31. Oktober ist der Markt auf eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte
eingestellt. Demgegenüber hat die EZB die Zinsen in den letzten Sitzungen
unverändert belassen. Durch die Einengung des Leitzinsabstandes zwischen den
USA und dem Euroraum verlor der USD gegenüber dem Euro weiter an Wert. Der
Abwärtstrend schwächte sich im Oktober zwar zunächst etwas ab; die
schlechten Zahlen zu den Baubeginnen und -genehmigungen und der neuerliche
Rückgang bei den Verkäufen neuer und bestehender Eigenheime führten am
31. Oktober 2007 aber schließlich zu dem neuen Rekordtief von über 1,44
gegenüber dem Euro. Die Abwertung seit Jahresbeginn 2007 beläuft sich damit
auf 9,4 Prozent.
Die USA profitierten vom schwachen USD, der deutliche Wertverlust in den
letzten Quartalen half, das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht abzubauen.
Im August sank das Handelsbilanzdefizit von 59,0 auf 57,6 Mrd. USD. Für
einen anhaltenden Rückgang des Defizits ist eine weiterere Abwertung des
USD-Wechselkurses notwendig. Bislang wurde die Anpassungslast hauptsächlich
vom Euro getragen, während die Zentralbanken der asiatischen
Schwellenländer, wie zum Beispiel China, nur eine graduelle, schrittweise
Aufwertung ihrer Währung zuließen. Der kräftige Anstieg der Inflation in
China von 2,2 Prozent im Jänner auf 6,2 Prozent im September gibt aber
Hoffnung für eine stärkere Aufwertung des Yuan. Die G7-Länder erhöhten bei
ihren Beratungen in Washington den Druck auf China, den Wechselkurs des Yuan
stärker zu flexibilisieren, was neben einer Verringerung des
US-Leistungsbilanzdefizits auch den Aufwertungsdruck des Euro gegenüber dem
USD mildern würde.
Grafik: Indexierte Wertentwicklung EUR je USD und Yuan je USD seit
31.10.2006 (Quelle: Bloomberg)
Kurzfristig dürfte sich der Leitzinsabstand zwischen den USA und dem
Euro-Raum weiter verringern und einen anhaltenden Belastungsfaktor für den
USD darstellen. Die meisten Marktteilnehmer gehen für die nächsten Monate
von einer anhaltenden USD-Schwäche aus und rechnen bis Jahresende mit einem
USD gegenüber dem Euro von 1,43. Die Zinssenkungen der US-Notenbank sollten
dazu beitragen, dass die US-Wirtschaft im Verlauf des Jahres 2008 wieder an
Schwung gewinnt. Aufgrund dessen und infolge einer stärkeren Verlagerung der
Last der USD-Abwertung vom Euro zu den asiatischen Währungen dürfte der Euro
den Höchststand im Jahr 2007 erreichen.
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