Jahrzehntelang wurden viele Lebensmittel im Verhältnis zu den Einkommen
immer billiger. Durch veränderte ökologische Rahmenbedingungen müssen sich
die Verbraucher nun auf steigende Preise für Nahrungsmittel einstellen. Bei
der finalen Schätzung der Inflationsrate in Euroland für August stiegen die
Lebensmittelpreise mit 2,1 Prozent bereits stärker als der Gesamtindex an.
Erheblich teurer wurden vor allem Weizen und Milch. Ursache für die
Preisexplosion sind grundsätzliche Verschiebungen zwischen Angebot und
Nachfrage auf dem Markt für Agrarrohstoffe.
Das starke Wirtschaftswachstum und der wachsende Wohlstand in den
aufstrebenden Ländern Asiens und Afrikas sorgen für mehr Nachfrage nach
höherwertigen Nahrungsmitteln wie Fleisch und Getreide. Verstärkt wird der
Trend durch die weltweite Umwidmung der Agrarflächen zur Produktion von
Bioenergie anstelle von Nahrungsrohstoffen und Futtermitteln. In den USA
werden bereits rund 30 Prozent der Maisproduktion zu Treibstoff verarbeitet.
In Österreich nimmt im Oktober eine Ethanol-Anlage den Betrieb auf, die
jährlich rund 400.000 Tonnen Weizen verarbeiten soll, was etwa 30 Prozent
der österreichischen Weizenproduktion entspricht.
Agrarprodukte können aber nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt in beliebiger
Menge hergestellt werden. Die Nachfrage kann nur aus der jüngsten Ernte und
eventuellen Lagerbeständen befriedigt werden. Problematische
Wetterbedingungen haben die Aussichten auf die Weizenernte in zahlreichen
Regionen der Welt stark eingetrübt. Der Internationale Getreiderat IGC hat
seine Prognose für die globale Weizenproduktion 2007/2008 von 614 Millionen
Tonnen auf 607 Millionen nach unten korrigiert. Damit bleibt die Versorgung
eng, denn der Erzeugung steht ein Verbrauch von etwa 614 Millionen Tonnen
gegenüber. Die Lagerbestände sinken kontinuierlich, für 2007/2008 rechnet
man mit Vorräten von unter 15 Prozent - das ist weniger als der Verbrauch
von zwei Monaten.
Die Weizennotierung in Chicago hat im September das Niveau von 9 USD je
Scheffel überschritten. Binnen eines Jahres hat sich der Preis für das
Getreide damit verdoppelt, allein im vergangenen Monat stieg er um über 20
Prozent. Panikkäufe der weizenimportierenden Länder aus dem Nahen Osten und
aus Nordafrika trieben die Preise zusätzlich in die Höhe. Ägypten kaufte
innerhalb weniger Tage fast eine Million Tonnen Weizen in den USA und
Russland ein.
Grafik: Entwicklung des Weizenpreises in US-Cent je Bushel seit Beginn des
Jahres 2007 (Quelle: Bloomberg)
http://www.gutmann.at/uploads/pics/grafik1_200710.gif
Die Deutsche Bank erwartet bei den Nahrungsmitteln und vor allem bei den
Getreiden die längste Ralley der Geschichte, die Preise werden
voraussichtlich bis Anfang 2009 steigen. Die so genannten Soft Commodities
haben den Boom der anderen Rohstoffsegmente bislang nicht voll mitgemacht.
Der langfristige Trend bei den Agrarstoffen zeigt weiter nach oben, daher
bleiben auch wir in unserem Gutmann Real Assets Portfolio bei einer
Übergewichtung in diesem Sektor.
Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert. Für deren Richtigkeit und
Vollständigkeit sowie für das Eintreten von Prognosen wird jedoch keine
Gewähr übernommen und jede Haftung ausgeschlossen. Die Anlage in
Investmentfonds ist Marktrisiken unterworfen. Performanceergebnisse der
Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines
Investmentfonds zu. Ausgabe- und Rücknahmespesen werden in den
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