Gutmann Investment Mail Dezember 2009

Hochzinsanleihen weiterhin zur Beimischung geeignet

Nach der starken Dynamik der Wirtschaftsdaten in den letzten Monaten bestätigen viele jüngst veröffentlichte Indikatoren eher das Bild einer nur langsamen wirtschaftlichen Erholung. Die Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA gingen im Oktober überraschend zurück, die Eigenheimpreise wachsen wieder langsamer und die Industrieproduktion ist im Oktober nur mehr um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Sorgenkind Nummer eins bleibt der US-Arbeitsmarkt mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 10,2 Prozent. Auch wenn die aktuellen Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung auf den tiefsten Stand seit November 2008 gefallen sind, ist von einem nachhaltigen Beschäftigungsaufbau vorerst nicht auszugehen.

Trotzdem erhöhte die US-Notenbank in ihrer vierteljährlichen Konjunkturprognose ihre Erwartung für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2010 von 2,1 bis 3,3 Prozent im Juni auf 2,5 bis 3,5 Prozent. Ein Grund dafür dürfte der beeindruckende Anstieg der US-Produktivität im dritten Quartal um 9,5 Prozent sein. Das Bureau of Economic Analysis revidierte zwar das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal 2009 von 3,5 auf 2,8 Prozent, was mehr Aufmerksamkeit erregte war aber die gleichzeitige Bekanntgabe des Anstiegs der Unternehmensgewinne um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Daten bestätigten, was die weit über den Erwartungen liegenden veröffentlichten Unternehmensergebnisse der letzten Wochen bereits vermuten ließen: Die positiven Auswirkungen von Produktivitätsanstiegen auf die Unternehmensgewinne, die sich infolge in verstärkten Investitionen und Beschäftigungsanstiegen niederschlagen könnten.

Grafik: Weltweite Gewinnrevisionen (Quelle: I/B/E/S, Nomura research)

Wir sehen weiterhin Potenzial für die Aktienmärkte. Nach wie vor bevorzugen wir die Schwellenländer, wo die Erholung der Industrieproduktion früher eingesetzt hat als in den Industrieländern und sich bereits wieder ihrem mittelfristigen Wachstumstrend annähert. Insbesondere in den neuen Mitgliedsländern der EU hat sich das konjunkturelle Bild in den letzten Monaten stark aufgehellt. Der große Vorteil von Zentral- und Osteuropa über die letzten Jahre - die lohnkostenbereinigte Produktivität - rückt damit wieder vermehrt in den Mittelpunkt. Die geringere Gewichtung europäischer, amerikanischer und japanischer Aktien bleibt bestehen.

Weiterhin günstig bleibt das Umfeld für das Hochzinsanleihesegment. Die letzten Monate waren geprägt von signifikanten Kursanstiegen, die auch vor dem Hochzins-Segment nicht Halt machten. Neuerlicher Mut zum Risiko sorgt(e) dafür, dass diese Asset-Klasse zu jenen mit der besten Performance in 2009 zählen wird. Unterstützung fand diese Entwicklung durch zahlreiche Neuemissionen, die einerseits aufgrund der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken einen notwendigen Finanzierungskanal darstellten und andererseits für Investoren aufgrund der hohen Kupons besonders reizvoll wirkten. Bestes Beispiel für ein Unternehmen, das in diesem Jahr den Gang an den Kapitalmarkt gewagt hat, ist Heidelberg Cement. Mitte Oktober wurden Anleihen mit drei verschiedenen Laufzeiten im Gesamtausmaß von 2,5 Mrd. Euro begeben. Die Nachfrage betrug etwa 10 Mrd. Euro (!) und die Kupons lagen - je nach Laufzeit - zwischen 7,5 und 8,5 Prozent, wobei letzterer Wert für die zehnjährige Anleihe bezahlt wird. Innerhalb des Segments der Ratingklasse B sind Kupons in dieser Höhe durchaus üblich.

Grafik: Renditen im High Yield Segment wieder auf "vor Lehman"-Niveau (Quelle: Ecowin)

Wenngleich viel des Kurspotenzials bereits hinter uns liegt, so halten wir dennoch an Hochzinsanleihen als Bestandteil unserer Allokation fest. Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang ist, welchen Anteil man diesem Investment zubilligt. Zwar wirken die hohen Kupons durchaus attraktiv, dennoch steht dem ein höheres Ausfalls- und damit auch Kursrisiko gegenüber. Daher ist es ganz besonders wichtig, die Unternehmen und deren Finanzierungsstruktur genau zu kennen. Vor diesem Hintergrund kommt man schnell zu dem Schluss, dass bei einer grundsätzlich konservativen Ausrichtung eines Portfolios Hochzinsanleihen nur zur Beimischung geeignet sind und damit nur mit einer geringen Gewichtung Berücksichtigung finden sollten.

Mag. Andreas Auer, CIIA, Gutmann Kapitalanlageaktiengesellschaft
Mag. Silvia Pecha, CPM, Gutmann Kapitalanlageaktiengesellschaft

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