Gutmann Investment Mail November 2009

Real Assets und Anleihen mit Inflationsschutz

Derzeit ist Inflation kein Thema. Der Euroland-Verbraucherpreisindex fiel im September um 0,3 Prozent nach einem Rückgang um 0,7 Prozent im Juli. Auch mittelfristig ist angesichts der niedrigen Kapazitätsauslastung und der hohen Arbeitslosigkeit keine nachhaltige Teuerung zu erwarten. Die Zentralbanken haben die Finanzmärkte in den letzten Monaten zwar mit zusätzlichem Geld geradezu überflutet, da die Geldkanäle aber noch nicht normal funktionieren, ist die Liquidität nicht in der realen Wirtschaft angekommen.

Viele Volkswirte befürchten, dass es den Notenbanken nicht gelingt, das Geld rechtzeitig wieder aus dem Wirtschaftskreislauf herauszunehmen. In diesem Fall muss mit einer starken Zunahme der Inflation gerechnet werden, sobald sich die Kreditversorgung wieder normalisiert und die konjunkturelle Belebung für eine zunehmende Auslastung der Produktionskapazitäten sorgt. Für die Anleger spielt daher der Schutz des Vermögens vor realem Wertverlust eine immer wichtigere Rolle. Substanzwerte, die auch unter dem Begriff Real Assets bekannt sind, helfen, die Inflationsrisiken zu begrenzen. Zu diesen Anlagewerten gehören Rohstoffe und Immobilien.

Die Anlageklasse Immobilie ist allerdings sehr uneinheitlich und nicht jedes Objekt, jede Nutzungsart und jeder Standort garantiert einen realen Werterhalt in Zeiten hoher Inflation.

Grafik: Entwicklung der Total Return Indizes für verschiedene Immobiliennutzungsklassen und des Verbraucherpreisindexes (Quellen: Deutsche Bundesbank; Investment Property Databank; Institut der deutschen Wirtschaft Köln)

Um den Inflationsschutz von Immobilienanlagen zu überprüfen, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln nicht nur die zeitliche Entwicklung, sondern sämtliche Faktoren, die den Zusammenhang der Renditen und das Preisniveau beeinflussen, untersucht. In der im Jänner 2009 veröffentlichten Studie zeigte sich, dass eine Direktinvestition in Wohngebäude den besten Schutz gegen Preissteigerungen bietet. Auch bei Büroimmobilien ist bei steigender Inflation von steigenden Renditen auszugehen. Direktanlagen in Einzelhandelsimmobilien sind als Inflationsschutz dagegen weniger geeignet. Keinen effektiven Schutz vor Inflation bieten Immobilienaktien. Der Anleger ist nur indirekt an einer Immobilie beteiligt und die Aktienentwicklung wird großteils von den Erwartungen des Marktes über die zukünftigen Gewinne des Unternehmens beeinflusst. Für langfristige Investoren, die in direkte Immobilienanlagen investieren, sind Immobilien als Inflationsschutz aber durchaus geeignet. Vor allem wenn in Immobilienklassen veranlagt wird, bei denen eine Mietindexierung üblich ist.

Die Yale Universität publizierte 2004 die Studie "Facts and Fantasies about Commodities Futures" von Gary Gorton und K. Geert Rouwenhorst. In einer Rückrechnung eines auf Daten des Commodities Research Bureau basierenden Rohstoffkorbes seit 1959 wurde belegt, dass auch Rohstoffe steigen, wenn die Inflation gemessen am Konsumentenpreisindex in den USA steigt. Dass Rohstoffe positiv zur Inflation korrelieren, ist angesichts der zu etwa 40 Prozent aus Rohstoffen bestehenden Inflationsindizes auch gut nachvollziehbar.

Grafik:http://www.gutmann.at/uploads/pics/grafik2_200911.gif (Quellen: Schroders, US CPI 1976 - 2008: jährliche Erträge; S&P; Barclays; CRB - Bloomberg)

Aber auch innerhalb des Rohstoffuniversums schützen nicht alle Segmente immer gleich gegen einen Kaufkraftverlust. Gold wird zum Beispiel ein sehr guter und umfassender Inflationsschutz nachgesagt. Tatsächlich bot das Metall während der ersten und zweiten Ölkrise einen guten Inflationsschutz, es gab aber auch Perioden, in denen Gold Futures einen negativen Zusammenhang aufwiesen. Auch bei einer realen Vermögensbildung muss auf eine breite Risikostreuung über einzelne Anlagen und Anlageformen geachtet werden.

Anders als bei Immobilien und Rohstoffen ist die Möglichkeit am konjunkturellen Aufschwung teilzunehmen bei inflationsgebundenen Anleihen zwar gering, gegen hohe Teuerungsraten bieten sie aber den besten Schutz. Allerdings hat die Unsicherheit bezüglich zukünftiger Inflationsraten die Kurse bereits deutlich in die Höhe getrieben und inflationsgeschützte Anleihen sind nicht mehr so günstig wie noch vor einigen Monaten. Deutsche und italienische Anleihen mit Inflationsschutz sind aus unserer Sicht den französischen aktuell vorzuziehen.

Mag. Silvia Pecha, CPM, Gutmann Kapitalanlageaktiengesellschaft

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