Gutmann Portfolio Management Report 3. Quartal 2009

Kurz gefasst


Rückblick 3. Quartal 2009

Die Rezession geht zu Ende

Die umfangreichen Konjunkturprogramme und die intensiven Interventionen der Notenbanken haben weltweit Wirkung gezeigt. Das Ende der Rezession wurde zwar noch nicht offiziell gemeldet, für das laufende Halbjahr deuten aber viele Indikatoren bereits auf eine Erholung der Konjunktur. Die Stimmungsindikatoren sind aufwärts gerichtet und auch mehr und mehr harte Konjunkturdaten wie Auftragseingänge und Industrieproduktion haben auf breiter Basis zu steigen begonnen. Der Welthandel nahm zuletzt wieder deutlich zu, der Anstieg um 3,5 Prozent im Juli war der stärkste seit Dezember 2003. Vor allem der Handel in den Schwellenländern zog spürbar an.

Angeführt wird die konjunkturelle Erholung von China, wo die starken und früh umgesetzten wirtschaftspolitischen Impulse bereits zu einer deutlichen Beschleunigung der Kreditvergabe führten. Gemessen am Vergleichsmonat des Vorjahres stieg das Kreditwachstum im September um 32 Prozent.

Die US-Wirtschaft ist im Erholungsprozess einen Schritt hinter China. Die Wirtschaftsleistung in den USA schrumpfte im zweiten Quartal annualisiert noch um 0,7 Prozent. Neben den gesunkenen privaten Wohnungsbauinvestitionen trug vor allem der nochmals beschleunigte Lagerabbau zum Rückgang des Bruttoinlandsproduktes bei. Die Nachfrage und die Produktion werden aber durch das "Cash for Clunkers"-Programm (Abwrackprämien in den USA), die staatlichen Infrastrukturprojekte und die steigende globale Nachfrage erfolgreich angekurbelt.

Obwohl der wirtschaftliche Abschwung in der Eurozone deutlich schärfer ausfiel als in den USA, ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2009 kaum noch gesunken. Die Zahlen für Deutschland und Frankreich entwickelten sich sogar bereits wieder positiv.

Die globalen Aktienbörsen konnten im dritten Quartal weitere Kursgewinne erzielen. Der MSCI World schloss im September mit über 63 Prozent seit seinem Tiefpunkt im März und mit über 22 Prozent seit Jahresanfang. Neben den positiven Konjunkturüberraschungen war der Hauptgrund die jüngste Berichtssaison, die aufgrund der Kosteneinsparungen der Unternehmen überraschend positiv ausfiel.

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Auffallend war, dass die beste Performance von Aktien von Unternehmen schlechter Qualität erzielt wurde. Innerhalb der Emerging Markets konnte vor allem Osteuropa eine überdurchschnittliche Kursentwicklung verbuchen, was sich auf unsere Asset Allocation sehr positiv ausgewirkt hat.

Ausblick - Positionierung

Unterstützung von der Fiskalpolitik und aus dem Lagerzyklus werden von positiven Impulsen aus dem Investitionszyklus abgelöst

Der Wiederaufbau der Lagerbestände und die staatlichen Konjunkturpakete dürften das wirtschaftliche Wachstum in den nächsten Monaten stark begünstigen. Darüber sind sich die Volkswirte einig und die Börsen haben eine stärkere Dynamik in den nächsten beiden Quartalen bereits eingepreist. Die positiven Effekte verstärken die Produktionsleistung aber nur kurzfristig und für die Zeit danach gibt es noch keinen Konsens. Der in den USA für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung verantwortliche private Konsum wird vom hohen Schuldenstand der privaten Haushalte und vom anhaltenden Arbeitsplatzabbau belastet. Die neuesten Zahlen zu den Konsumkrediten bestätigen den düsteren Konsumausblick. Wie die US-Notenbank berichtete, fiel die Zahl der Verbraucherkredite im Juli um 21,6 Mrd. USD und damit so stark wie noch nie.

Trotz konjunktureller Abwärtsbewegung und deutlichem Nachfragerückgang können viele Unternehmen gesunde Bilanzen und positive Cash Flows vorweisen. Sie reagierten auf die Belastungen mit erheblichen Kostenreduktionen und Rationalisierungsmaßnahmen. Zu den neuen Wachstumsbranchen, die gestärkt und wettbewerbsfähiger aus der Krise hervorgehen, zählen beispielsweise der Technologie- und Infrastruktursektor. Ein Merkmal dieser Krise ist die hohe Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. Im zweiten Quartal 2009 stieg die Produktivität um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die gute Ertragslage und die hohen Produktivitätszuwächse legen den Grundstein für die zukünftige Investitionstätigkeit der Unternehmen und implizieren damit auch eine Belebung des Arbeitsmarktes. Dies könnte eine Trendwende beim privaten Konsum einleiten. Insofern sehen wir ein gewisses Aufwärtsrisiko für unsere Erwartung einer nur moderaten wirtschaftlichen Dynamik im Jahr 2010.

Neue Regierung in Japan

In Japan haben die Unterhauswahlen nach mehr als 50 Jahren den erwarteten Machtwechsel gebracht. Die demokratische Partei unter Yukio Hatoyama setzt in vielen Bereichen deutlich andere Akzente als die zuvor regierende Liberaldemokratische Partei.

In der Außenpolitik soll der Fokus auf Asien deutlich verstärkt werden. Insbesondere geht es hier auch um eine Verbesserung der Beziehungen zu China, das einer der wichtigsten Handelspartner Japans ist.

Im Sozialbereich wird unter anderem mit Kindergeld und einer Erhöhung der Mindestlöhne das Hauptaugenmerk auf die Bevölkerungsschichten mit kleinen bis mittleren Einkommen gesetzt. Dadurch erhofft man sich langfristig einen positiven Effekt auf die demographische Entwicklung Japans sowie eine Unterstützung für den privaten Konsum.

Die Ankündigung zur Reduktion der Schadstoffemissionen sollte dem Bereich der "Green Technology" Auftrieb verleihen, einem Sektor, in dem Japan ohnedies bereits führend ist.

China führt die Erholung an

Die chinesische Wirtschaft hat in dieser Erholungsphase die Führungsrolle übernommen. Vereinzelt werden auch schon wieder Wachstumsraten im zweistelligen Bereich für 2010 angenommen. Dies ist nicht zuletzt auf die sehr schnell eingesetzten Stimulierungsprogramme der Regierung zurückzuführen. Doch es sind nicht allein die öffentlichen Ausgaben, welche die Wirtschaft stützen. Die Ausgaben der Konsumenten sind ein wesentlicher Faktor, der in der Krise ebenfalls nicht weggebrochen ist. Zuletzt sind auch die privaten Investments angesprungen und machen einen großen Teil des Wachstums aus. Der Exportbereich zeigt nach wie vor Schwächen, er ist jedoch nicht mehr ein wesentlicher Faktor des Wirtschaftswachstums.

Rohstoffe: Investitionskürzungen verknappen das Angebot

Die Preisrally der Rohstoffe war lange Zeit von der Erwartung einer spürbaren Erholung der Weltwirtschaft geprägt. In den letzten Monaten jedoch schien sich das Aufwärtsmomentum zu verlangsamen und die Preisbewegungen in den verschiedenen Sektoren begannen mehr voneinander abzuweichen. Grund dafür waren die nachlassenden Rohstoffimporte in China, die aber historisch gesehen weiterhin auf sehr hohem Niveau liegen. Eine bevorstehende zyklische Erholung der OECD-Länder könnte dies kompensieren und einen nachhaltigeren Nachfrageauftrieb mit sich bringen. Zusätzlich mussten viele Produzenten krisenbedingt ihre Investitionen zurückfahren, was langfristig zu einer Angebotsknappheit führen könnte.

Während der mittel- bis langfristige Ausblick für Rohstoffe sehr positiv bleibt, hängt die kurzfristige Marktentwicklung in den nächsten Monaten von einigen Faktoren ab: der Entwicklung der Rohstoffimporte in China, der Nachfrageerholung in den OECD-Ländern, der Elastizität der Angebotsseite und dem regulatorischen Risiko in Bezug auf Energie. Diese Faktoren werden den Zeitpunkt der nächsten Preisrally bestimmen. In der Zwischenzeit ist mit einer Konsolidierungsphase zu rechnen.

Das Umfeld wird schwieriger

Nach der massiven Rally der letzten Monate fragen sich immer mehr Anleger, was weitere Kursgewinne rechtfertigen könnte. Unserer Meinung nach gibt es hier einige unterstützende Faktoren.

Die Zinssätze sind auf Rekordtiefe und die Notenbanken müssen an ihrer extrem expansiven Geldpolitik festhalten. Sie können die Unterstützung für die Finanzmärkte erst zurückfahren, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen. Zumindest war das die Kernaussage der Staats- und Regierungschefs beim G-20-Gipfel in Pittsburgh. Auch die FED bekräftigte Ende September, dass sie die Leitzinsen bis weit in das nächste Jahr hinein unverändert lassen wird.

Aktien sind unbestreitbar teurer geworden. Wenn man die erwarteten Unternehmensgewinne für die kommenden zwölf Monate zugrunde legt, ist der weltweite Aktienmarkt derzeit mit einem KGV von 14,9 bewertet. Die Bewertung ist seit dem letzten Tief von 9,2 (Ende Oktober 2008) deutlich angestiegen und ist jetzt etwa auf dem Niveau der Jahre 2004­2007. Für weitere Kursanstiege ist eine verbesserte Gewinnsituation der Unternehmen wichtig und dafür gibt es schon Anzeichen. Die Gewinne für das zweite Quartal übertrafen die Erwartungen und die von den Unternehmen eingeleiteten Rationalisierungsmaßnahmen deuten an, dass sich die Gewinne im kommenden Jahr noch stärker erholen werden. In die gleiche Richtung weisen auch die Revisionen für die weltweiten Unternehmensgewinne für das nächste Jahr 2010.

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Die Wahrscheinlichkeit von Kurskorrekturen in den nächsten Wochen und Monaten ist ohne Zweifel gestiegen. Kurzfristiges Market Timing ist aber extrem schwierig und das Fernbleiben vom Markt birgt das Risiko verpasster Renditen. Trotz der starken Aufwärtsbewegung in den letzten Monaten liegt der MSCI World noch immer rund 33 Prozent unter dem Höchststand vom Oktober 2007. Viele Anleger halten noch sehr hohe Cash-Bestände, die über kurz oder lang wieder in risikoreichere Anlageklassen fließen werden.

Alles in allem gehen wir davon aus, dass die Aktienkurse mittelfristig weiter steigen werden, die Aufwärtsbewegung dürfte aber weniger dynamisch verlaufen als in den letzten beiden Quartalen. Wir bleiben bei unserer neutralen Asset Allocation, haben unsere Portfolios aber defensiver ausgerichtet.

Auf regionaler Ebene haben wir unser erfolgreiches Engagement in den Schwellenländern zurückgenommen und unsere Position in Brasilien zugunsten der entwickelten Volkswirtschaften abgebaut. Wir beurteilen die Aussichten für diese Asset-Klasse langfristig zwar nach wie vor optimistisch, die Aktienkurse haben aber Niveaus erreicht, die sie gegenüber den entwickelten Volkswirtschaften teuer erscheinen lassen.

Die Untergewichtung europäischer und amerikanischer Aktien bleibt, wenn auch in reduziertem Maß, bestehen.

Nach wie vor bevorzugen wir die neuen Mitgliedsländer der EU, wo sich das konjunkturelle Bild in den letzten Monaten stark aufgehellt hat. Der große Vorteil von Zentral- und Osteuropa über die letzten Jahre ­ die lohnkostenbereinigte Produktivität ­ rückt damit wieder vermehrt in den Mittelpunkt.

Konjunktur oder Inflation? Das ewige Dilemma geht in die nächste Runde ...

Seit Monaten zeigt die Entwicklung von Konjunkturvorlaufindikatoren steil nach oben und viele weisen mittlerweile Niveaus auf wie vor dem Ausbruch der Krise. Der raschen Abwärtsbewegung folgte also eine ebenso schnelle Gegenbewegung ­ von vielen als "V-förmig" bezeichnet. Ungeachtet der vielerorts geführten Diskussion um den richtigen Buchstaben für den weiteren Konjunkturverlauf, bleibt die Frage, ob das Maß der bisherigen Konjunkturerholung nachhaltig bleiben kann. Im Spannungsfeld dieser Frage wird oft die Europäische Zentralbank erwähnt. Sie hat sehr rasch und deutlich auf diese Krise reagiert und den Markt nicht nur mit niedrigen Zinsen (der aktuelle Leitzins beträgt 1 Prozent), sondern auch mit massiv angestiegener Liquidität versorgt.

Aus diesen Gründen und der damit möglicherweise einhergehenden Gefahr überhöhter Inflationsraten wird der EZB in der aktuellen Diskussion ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Schließlich ist die Vielfalt der gesetzten Maßnahmen in ihrer kurzen Geschichte einzigartig; ebenso sind auch ihre Möglichkeiten, sich weniger expansiv auszurichten, entsprechend vielfältiger als bisher üblich.

Kurzfristig scheint keine Gefahr überhöhter Inflation(-serwartungen) zu bestehen. Aktuelle Zahlen aus Deutschland weisen einen Rückgang des allgemeinen Preisniveaus sowohl auf Jahres- als auch auf Monatsbasis aus. Die geringe Auslastung der Unternehmen und die anhaltend schwache Nachfrage lassen deren Preisanhebungspotential auch eher gering erscheinen. Die monetäre Komponente gibt angesichts stagnierender Kreditwachstumsraten auch keinen Grund zur Panik, wenngleich eine maßvolle Weitergabe der innerhalb der Banken gehorteten Liquidität durchaus im Sinne der Notenbank wäre.

Mittelfristig muss von der Zentralbank ein Weg gefunden und beschritten werden, der Inflationsängste gar nicht erst aufkommen lässt, ohne dadurch gleichzeitig einen erneuten Einbruch heraufzubeschwören. Zwar weisen manche Vorlaufindikatoren durchaus auf Wachstum hin, dennoch können derzeit manche Zahlen aus der Realwirtschaft (noch) nicht folgen. Überdies agierte der Staat in den vergangenen Monaten als Substitut für private Nachfrage ­ ein Effekt, der mit einem Zeitablauf versehen ist, zumal die angehäuften Schuldenberge auch wieder zurückgeführt werden müssen. Spätestens dann wird entweder an der Ausgaben- und/oder an der Einnahmenschraube (Steuern) gedreht, wovon ein Dämpfer für die Konjunktur ausgehen würde.

Kein einfaches Umfeld für eine Notenbank mit einem expliziten Inflationsziel. Auch sie verfügt über mehrere Schrauben und es wird spannend, an welcher zuerst gedreht wird. Jedenfalls wird es noch einige Monate dauern, bis sich die Zinsen wieder von ihren Tiefs wegbewegen. Das Halten von länger laufenden Anleihen wird nach wie vor durch eine faire Rendite abgegolten. Daher sehen wir eine neutrale Durations-Positionierung mit einem guten Anteil von Unternehmensanleihen und Covered Bonds aktuell als richtig an.

Gutmann Strategie Select

Nach den überdurchschnittlich hohen Verlusten an den Aktienmärkten in den letzten Jahren wächst das Bedürfnis der Anleger, ihr Portfoliorisiko den jeweiligen Marktphasen anzupassen. Im Gutmann Strategie Select wird die Optimierung der Asset Allocation durch die Begrenzung des Verlustrisikos ergänzt, ohne das Ertragspotential der gemischten Strategie einzuschränken. Vergleichswert ist ein Portfolio mit 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen. Der vorab festgelegte maximale Wertverlust (maximaler Drawdown) wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht überschritten.

Der erste Schritt befasst sich mit der optimalen Gewichtung und Kombination der Anlageklassen. Anhand unseres bereits bewährten Vektor Autoregressiven Zeitreihenmodells werden die erwarteten künftigen Renditen folgender Asset-Klassen bestimmt: Aktien USA, Aktien Europa, Aktien Japan, Aktien Asien, Aktien Emerging Markets Global, Staatsanleihen 7­10 Jahre, Staatsanleihen 1­3 Jahre, Corporate Bonds und Cash.

Die Weiterentwicklung unseres Modells erfolgt durch die Optimierung der Exposure gegenüber risikobehafteten Asset-Klassen. Dafür wird die Entfernung des aktuellen Depotstandes vom maximalen Drawdown-Wert ermittelt. Verringert sich der Abstand, wird von riskanten Anlagen in sichere Anlagen umgeschichtet und umgekehrt. In Abhängigkeit vom Risikobudget wird das geeignete Portfolio auf der Efficient Frontier Linie ausgewählt.

Durch Optimierung der beiden Aufgaben Selektion und Exposure wird das optimale Portfolio ermittelt.

Grafik: Entwicklung im Backtest - die schwierigen letzten drei Jahre

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Mag. Friedrich Strasser,
Vorstand der Gutmann Kapitalanlageaktiengesellschaft
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Renate Skoff, The Skills Group
Tel. +43-1-505 26 25,
skoff@skills.at

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