Gutmann Investment Mail September 2009

Wie wirkt der Lagerzyklus?

Zum ersten Mal seit 60 Jahren wird das globale Weltwirtschaftswachstum heuer sinken, der Internationale Währungsfonds erwartet für 2009 einen Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts um 1,4 Prozent. Die Wirtschaft ist nicht zuletzt deshalb so stark eingebrochen, weil die Unternehmen ihre Lager massiv reduziert haben. Um die Lagerbestände dem tieferen Niveau der Verkäufe anzupassen, bedienten die Firmen die Nachfrage primär aus den bestehenden Vorräten. In den USA belief sich der hiervon ausgehende negative Impuls auf das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2009 auf 2,4 Prozentpunkte. Im zweiten Quartal kostete der Abbau der Lagerbestände nochmals 1,4 Prozent Wachstum und mit annualisierten -9,8 Prozent erreichte der Lagerabbau im Juni einen neuen Höchststand.

Die Lagerhaltung der Unternehmen verstärkt aber nicht nur die Abschwungphasen, sondern auch die Aufschwünge im Konjunkturzyklus: Denn sobald die Nachfrage wieder anzieht, müssen die Unternehmen ihre Produktion wieder hochfahren. Da sich der Beitrag der Lagerkomponente zum BIP-Wachstum als Veränderung der Lagerschwankungen errechnet, genügt sogar eine Verlangsamung des Lagerabbaus, um einen positiven Wachstumsbeitrag zu erzielen. In den letzten Monaten haben die Unternehmen ihre Lagerbestände so stark abgebaut, wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Das macht Hoffnung, dass der wiederbeginnende Lagerzyklus in den nächsten Monaten kräftige Wachstumsimpulse liefert.

Informationen zum voraussichtlich weiteren Verlauf geben die Teilkomponenten für Auftragseingänge und Lagerbestände des US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe.

Grafik (Quelle: Institute for supply management)
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Die wachsende Differenz zwischen der Auftragseingangskomponente und der Lagerkomponente spricht dafür, dass der Lagerzyklus seinen Wendepunkt erreicht hat. Die Orderentwicklung hat sich erholt, die US-Auftragseingänge für langlebige Güter ohne Transport stiegen in den letzten 3 Monaten deutlich an, und die Unternehmen werden langsam wieder zuversichtlicher. Nur noch 15 Prozent der Produzenten im verarbeitenden Gewerbe halten ihre Lagerbestände noch für zu hoch, 30 Prozent denken, die Lager ihrer Kunden wären zu niedrig. Auch von der Nachfrageseite gibt es eindeutig positive Signale. Der Welthandel konnte im Juni um 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat zulegen und verzeichnete damit den stärksten Anstieg seit Juli 2008.

Die für die kommenden Monate erwartete Erholung ist aber noch instabil. Der Lagerzyklus verstärkt die Produktionsleistung nur kurzfristig und die Gefahr ist, dass die positiven Impulse nachlassen, bevor die private Nachfrage wieder zunimmt. Die Konsumentwicklung in den USA ist zwar nach oben gerichtet, der Zuwachs kommt aber in erster Linie aus dem von der staatlichen Abwrackprämie gestützten Automobilsektor. Mit dem Auslaufen der positiven Impulse aus dem Lagerzyklus und den staatlichen Konjunkturprogrammen wird sich das Wachstum wieder verlangsamen. Die Erwartung einer nur moderaten Konjunkturdynamik im Jahr 2010 bleibt aufrecht.

Mag. Silvia Pecha, CPM, Gutmann Kapitalanlageaktiengesellschaft

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