Ölpreis auf Rekordniveau
In ihrem aktuellen Ölmarktbericht warnt die Internationale Energieagentur
(IEA) vor einer neuen Ölkrise. Bedingt durch den schnell wachsenden
Energiebedarf in China und Indien geht sie in ihrer Studie von einem Anstieg
der weltweiten Ölnachfrage in den kommenden fünf Jahren um jeweils 2,2
Prozent aus. Gleichzeitig hegt die IEA Zweifel, ob das Angebot mit der
Nachfrage noch Schritt halten kann. Vor allem in den Nicht-OPEC-Ländern
nehme die Förderung stärker ab als bisher gedacht, und neue Projekte kämen
nur schleppend voran. Zudem wurde auf die zunehmende Abhängigkeit der
Ölverbraucher von der OPEC-Produktion hingewiesen. Angesichts der
zunehmenden Knappheit fordert die IEA die OPEC-Länder auf, ihre Fördermengen
zu erhöhen.
Die internationalen Ölmärkte haben auf die Warnung mit einem kräftigen
Preisanstieg reagiert. Aktuell liegt der Ölpreis der Sorte WTI bei 78,21 USD
pro Fass und damit etwa 28 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Nach den
neuesten Prognosen von Experten könnte er sogar auf über 100 USD pro Fass
steigen. Goldman Sachs prognostiziert noch vor Jahresende einen Anstieg auf
95 USD – sofern die OPEC nicht ihre Förderquote erhöht. Dieses Preisniveau
bei Rohöl ist aus unserer Sicht aber nicht nachvollziehbar.
Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachfrage nach Energie nachlässt,
sehr gering, denn laut der letzten Prognose des Internationalen
Währungsfonds (IWF) wird die Weltwirtschaft in den Jahren 2007 und 2008 um
5,2 Prozent wachsen. Die OPEC erwartet für 2008 aber nur ein
durchschnittliches Wachstum der Ölnachfrage von 1,5 Prozent, deutlich
weniger als die Prognose der IEA. Auch auf der Angebotsseite gibt es
widersprüchliche Schätzungen, vor allem die großen Ölkonzerne sehen wenig
Grund zur Besorgnis. Exxon kommt in der Studie Oeldorado 2007 zu dem
Schluss, dass sich die Bestände an sicher bestätigten Ölreserven deutlich
erhöht haben. Der steigende Ölpreis macht die Erkundung neuer Quellen
profitabel. Die seit mehreren Jahren zunehmenden Investitionen im Sektor
haben zu verstärkter Explorationstätigkeit geführt, und durch technische
Fortschritte wird die Ausbeutung weiter zunehmen. Die tatsächliche Knappheit
am Ölmarkt wird von den Marktteilnehmern möglicherweise überschätzt, und bei
einer Ausweitung des Angebots könnte wieder eine Entspannungsphase kommen.
Ein zusätzliches Abwärtsrisiko für die Preise sind die Ölspekulanten, die
gegenwärtig so stark auf steigende Ölpreise wetten wie noch nie.
Grafik: Ölpreis (WTI in USD pro Fass) und Nettopositionen der Spekulanten
(Quellen: Bloomberg und CFTC)
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik1_200708_01.gif
Die weitere Entwicklung am Ölmarkt hängt auch stark vom Verlauf der
Hurrikansaison in den USA ab. Das US-Klimaforschungsinstitut NOAA sorgte mit
seiner Prognose einer überdurchschnittlichen Hurrikansaison 2007 im Golf von
Mexiko für die Einpreisung von Risikoaufschlägen. Sollte die Hurrikansaison
weiter so ruhig verlaufen und keine neuen politischen Unsicherheiten
auftreten, sehen wir den Ölpreis der Sorte WTI bis Jahresende in einer
Spanne zwischen 65-75 USD je Barrel.
Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert. Für deren Richtigkeit und
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