Gutmann Investment Mail August 2007

Ölpreis auf Rekordniveau

In ihrem aktuellen Ölmarktbericht warnt die Internationale Energieagentur (IEA) vor einer neuen Ölkrise. Bedingt durch den schnell wachsenden Energiebedarf in China und Indien geht sie in ihrer Studie von einem Anstieg der weltweiten Ölnachfrage in den kommenden fünf Jahren um jeweils 2,2 Prozent aus. Gleichzeitig hegt die IEA Zweifel, ob das Angebot mit der Nachfrage noch Schritt halten kann. Vor allem in den Nicht-OPEC-Ländern nehme die Förderung stärker ab als bisher gedacht, und neue Projekte kämen nur schleppend voran. Zudem wurde auf die zunehmende Abhängigkeit der Ölverbraucher von der OPEC-Produktion hingewiesen. Angesichts der zunehmenden Knappheit fordert die IEA die OPEC-Länder auf, ihre Fördermengen zu erhöhen.

Die internationalen Ölmärkte haben auf die Warnung mit einem kräftigen Preisanstieg reagiert. Aktuell liegt der Ölpreis der Sorte WTI bei 78,21 USD pro Fass und damit etwa 28 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Nach den neuesten Prognosen von Experten könnte er sogar auf über 100 USD pro Fass steigen. Goldman Sachs prognostiziert noch vor Jahresende einen Anstieg auf 95 USD – sofern die OPEC nicht ihre Förderquote erhöht. Dieses Preisniveau bei Rohöl ist aus unserer Sicht aber nicht nachvollziehbar.

Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachfrage nach Energie nachlässt, sehr gering, denn laut der letzten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Weltwirtschaft in den Jahren 2007 und 2008 um 5,2 Prozent wachsen. Die OPEC erwartet für 2008 aber nur ein durchschnittliches Wachstum der Ölnachfrage von 1,5 Prozent, deutlich weniger als die Prognose der IEA. Auch auf der Angebotsseite gibt es widersprüchliche Schätzungen, vor allem die großen Ölkonzerne sehen wenig Grund zur Besorgnis. Exxon kommt in der Studie Oeldorado 2007 zu dem Schluss, dass sich die Bestände an sicher bestätigten Ölreserven deutlich erhöht haben. Der steigende Ölpreis macht die Erkundung neuer Quellen profitabel. Die seit mehreren Jahren zunehmenden Investitionen im Sektor haben zu verstärkter Explorationstätigkeit geführt, und durch technische Fortschritte wird die Ausbeutung weiter zunehmen. Die tatsächliche Knappheit am Ölmarkt wird von den Marktteilnehmern möglicherweise überschätzt, und bei einer Ausweitung des Angebots könnte wieder eine Entspannungsphase kommen. Ein zusätzliches Abwärtsrisiko für die Preise sind die Ölspekulanten, die gegenwärtig so stark auf steigende Ölpreise wetten wie noch nie.

Grafik: Ölpreis (WTI in USD pro Fass) und Nettopositionen der Spekulanten (Quellen: Bloomberg und CFTC) http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik1_200708_01.gif

Die weitere Entwicklung am Ölmarkt hängt auch stark vom Verlauf der Hurrikansaison in den USA ab. Das US-Klimaforschungsinstitut NOAA sorgte mit seiner Prognose einer überdurchschnittlichen Hurrikansaison 2007 im Golf von Mexiko für die Einpreisung von Risikoaufschlägen. Sollte die Hurrikansaison weiter so ruhig verlaufen und keine neuen politischen Unsicherheiten auftreten, sehen wir den Ölpreis der Sorte WTI bis Jahresende in einer Spanne zwischen 65-75 USD je Barrel.

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