Gutmann Investment Mail Mai 2009

Wendepunkt am US Immobilienmarkt?

In seiner Rede vor Studenten am Morehouse College in Atlanta Mitte April gab US-Notenbankchef Ben Bernanke eine überraschend optimistische Einschätzung zur weiteren Entwicklung der Immobilienmärkte ab. Bernanke sagte, dass unter anderem die jüngsten Daten zum Häusermarkt Hinweise darauf geben, dass sich der Konjunkturabschwung verlangsame. In einigen Bezirken kämen wieder mehr Käufer auf den Markt und ganz langsam scheine sich die Nachfrage wieder dem Angebot anzunähern.

Tatsächlich gab es in den Wochen davor positive Nachrichten vom US-Immobilienmarkt. Die Zahl der US-Neubauverkäufe sowie der Baugenehmigungen stieg im Februar um 5 Prozent und die Baubeginne schnellten sogar um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Die Daten für März versetzten der zuversichtlichen Sichtweise allerdings wieder einen Dämpfer. Die Zahl der Baubeginne und der Baugenehmigungen war dürftig und sowohl der Verkauf bestehender Eigenheime als auch die Neubauverkäufe lagen deutlich unter den Erwartungen.

Das Kernproblem am Immobilienmarkt ist das starke Überschussangebot an Häusern. Verglichen mit den in den Jahren 1990 bis 2000 durchschnittlich 2,2 Mio. zum Verkauf stehenden Häusern ist der derzeitige Bestand an 3,7 Mio. angebotenen Immobilien nach wie vor außergewöhnlich hoch. Beim gegenwärtigen Nachfrageverhalten reicht dies aus, um den Bedarf von 10,7 Monaten zu decken. Im Jänner lag diese Relation sogar bei 12,5 Monaten.

Grafik: Entwicklung des Überschussangebots am Immobilienmarkt seit 2000 (Quelle: Bloomberg)

Der Überhang an leerstehenden Häusern führte zu stark fallenden Preisen an den Immobilienmärkten. Gemessen am Case Shiller 20-Städte-Index beträgt der Wertverfall seit Mitte 2006 etwa 30 Prozent. Doch zum ersten Mal seit November 2005 hat sich die Jahresrate im Februar nicht weiter verschlechtert. Gegenüber Jänner verbesserte sie sich leicht auf -18,6 Prozent. Auch der FHFA-Verkaufs-Index der Aufsichtsbehörde der Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae (vormals OFHEO-Index) stieg im Februar zum zweiten Mal in Folge und im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat sank der Index nur um 6,5 Prozent. Allerdings sind die landesweiten Preise nicht so stark gestiegen wie in den Metropolen, wo sich ein stärkeres Rückschlagpotential aufgebaut hat, das noch bereinigt werden muss.

Deutliche Hinweise auf ein Ende des Einbruchs sind also bislang noch nicht erkennbar. Es gibt aber Hoffnung, dass zumindest die Stärke des Preisrückgangs langsam nachlässt. Durch die tiefen Preise und die günstigeren Hypothekenraten ist der Erwerb einer Immobilie inzwischen so günstig wie schon lange nicht mehr. Die Hypothekenbank Freddie Mac berichtete Ende April, dass der Hypothekenzins für eine feste Laufzeit von 30 Jahren nur noch 4,8 Prozent beträgt. Hinzu kommt, dass der Kauf einer Immobilie durch die mittlerweile wieder etwas weniger restriktive Kreditvergabe der Hypothekenbanken erleichtert wird.

Was noch fehlt ist Kapital, das in den Häusermarkt fließt. Aufgrund der angespannten Finanzlage der amerikanischen Haushalte dürfte es aber noch mehrere Monate dauern bis der Angebotsüberhang reduziert wird. Der Immobilienmarkt steht im Zentrum der aktuellen Marktturbulenzen. Auch wenn es nur erste Anzeichen einer zögerlichen Erholung gibt, dürfte davon eine wichtige Signalwirkung für die gesamte US-Wirtschaft ausgehen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber man kann den Frühling erahnen.

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