Rohstoffe als neue Alternative?
Nach den starken Preisverlusten in fast allen Rohstoffmärkten während der 2.
Jahreshälfte 2008 stabilisierten sich viele Rohstoffe im 1. Quartal 2009 und
wiesen teilweise wieder Tendenzen einer Dekorrelation zu den Aktienmärkten
auf. In einem Umfeld geprägt von negativem Wachstum profitierten aufgrund
von beträchtlichen Produktionskürzungen vor allem Industriemetalle und Öl.
Damit scheinen die meisten Wirtschaftsdaten bereits 2008 eingepreist gewesen
zu sein. Es bleibt nun abzuwarten, ob sich dieser Trend - bestimmt durch die
Angebotsseite - weiter fortsetzen kann und die Nachfrage wieder ansteigt.
Grafik:
Entwicklung der Fördermengen der OPEC-Staaten seit 2004 (Quelle:
Bloomberg)
http://www.gutmann.at/uploads/pics/grafik1_200904.gif
Nach den starken letztjährigen Kurseinbrüchen pendelte sich Anfang des
Jahres Öl auf einem Niveau von 4045 USD je Barrel ein und durchbrach gegen
Ende des 1. Quartals erstmalig wieder die 50-USD-Marke. Diese Entwicklung
wurde durch OPEC-Kürzungen positiv beeinflusst. Der Marktkonsensus geht von
einem weiteren Anstieg bis Jahresende aus.
Trotz sehr schlechter makroökonomischer Daten zeigten sich
überraschenderweise einige Industriemetalle sehr robust und wiesen eine
starke Outperformance zu den übrigen Märkten auf. Grund dafür waren rasche
Produktionskürzungen auf der Angebotsseite. So konnte z.B. Kupfer im 1.
Quartal vor allem durch starke chinesische Zukäufe sowie die Abdeckung von
short-Positionen vieler Hedge Fonds profitieren und seit Jahresanfang 27
Prozent an Wert generieren. Analysten sehen in dieser Anlageklasse einen
weiteren positiven Trend, wobei Kupfer und Zink den anderen Metallen
Aluminium und Nickel gegenüber favorisiert werden sollten.
Bei den Edelmetallen sind vor allem Silber und Platinum positiv
hervorzuheben, die in den ersten drei Monaten einen deutlichen Wertzuwachs
erfuhren. Gold stieg im Februar an, als die Aktienmärkte neue Tiefststände
erreichten. In einem deflationären Umfeld mit einem starken USD büßte es
jedoch wieder an Performance ein. Es bleibt schwierig, die weitere
Entwicklung abzuschätzen, da Gold in der Vergangenheit in einem rezessiven
Umfeld nicht immer an Wert zulegen konnte.
Die Preise der Landwirtschafts-Rohstoffe konnten sich im 1. Quartal nach den
starken Einbußen der 2. Jahreshälfte 2008 wieder erholen. Auch hier waren
Kürzungen auf der Angebotsseite ausschlaggebend. Davon profitierten Korn und
Sojabohnen sowie Zucker - Positionen, die auch weiterhin positiv bewertet
werden sollten.
Ein weiterer Trend waren die enormen Zuflüsse in ETF-Produkten, die eine
steigende Nachfrage der Investoren nach Rohstoffen widerspiegelten. Diese
Zuflüsse waren bereits höher als während des ganzen vorigen Jahres. Die
größte Menge an Zuflüssen war in Gold und Öl zu verzeichnen.
Zusammenfassend konnten bei manchen Rohstoffen wieder eine Stabilisierung
bzw. positive Tendenzen beobachtet werden. Ob dieser Trend anhält, ist
aufgrund des volatilen Umfelds schwer vorherzusagen. Entscheidend wird sein,
wie schnell sich die Preise wieder erholen und auf die Kürzungen des
Angebotes reagieren. Zusätzlich werden makroökonomische Entwicklungen wie
Wachstum, Inflation sowie die Wirkungen der diversen Stimulus-Pakete eine
wichtige Rolle in der Preisbildung spielen.
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