Warum startet Gold nicht durch?
Die Weltwirtschaft ist zurzeit der größten Krise und Bewährungsprobe seit 80
Jahren ausgesetzt. Die Flut negativer Konjunkturnachrichten erreicht immer
wieder neue Höhepunkte und schlechte Unternehmensmeldungen führen zu großer
Unsicherheit und Volatilitäten an den Aktienmärkten. Die Situation spiegelt
sich auch an den Währungsmärkten wider. Der Ausblick für den USD wird durch
die extrem hohen Finanzspritzen der US-Notenbank und der amerikanischen
Regierung geschwächt, im Euroraum spekulieren Experten bereits über ein
Zerbrechen des Euro und die Wahrscheinlichkeit für eine Aufwertung der
asiatischen Währungen ist aufgrund des schwächelnden Exportsektors in den
meisten Staaten sehr gering. Damit bietet sich für Gold ein optimales
Umfeld, um seinen Status als sicherer Hafen zu beweisen. Tatsächlich ist die
Entwicklung des Goldpreises mit einem Zuwachs von etwa 40 Prozent seit
Beginn der Finanzkrise im Juli 2007 ganz ordentlich, angesichts der
aktuellen wirtschaftlichen Lage war aber ein wesentlich markanterer Anstieg
zu erwarten.
Grafik: Entwicklung des Goldpreises und des MSCI World seit Juli 2007 in
Prozent (Quelle: Bloomberg)
Der stärkste Anstieg des Goldkurses erfolgte bis Mitte März 2008. Aktuell
notiert Gold etwa 10 Prozent tiefer, obwohl die internationalen Aktienmärkte
die stärksten Verluste erst in der zweiten Jahreshälfte erlitten.
Etwa die Hälfte der weltweiten Goldnachfrage kommt aus China und Indien, wo
traditionell eine hohe Affinität zu Gold vorhanden ist. Da die indische
Rupie und der chinesische Yuan von den Zentralbanken beeinflusst werden,
laufen die Anleger ständig Gefahr, ihre Ersparnisse durch eine Abwertung der
Währung zu verlieren. Inflationsgeschützte Anleihen, Future-Kontrakte,
Optionen und ausländische Währungen stellen für die ältere Generation keine
Anlageoption dar und Gold ist die einzige Möglichkeit sich gegen
Vermögensverfall abzusichern. Somit erscheint es nur logisch, dass mit dem
zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung auch die Goldnachfrage steigt.
Nach dem Milliardenskandal um die gefälschten Bilanzen des indischen
IT-Dienstleisters Satyam, dem Kollaps des chinesischen Aktienmarktes, den
Zinssenkungen und den schwächelnden Immobilienmärkten in den beiden Ländern
sind viele Goldinvestoren vom bisher moderaten Aufwärtstrend des Goldpreises
enttäuscht. Bislang konnte das Metall nicht die erhoffte starke negative
Korrelation mit der Wirtschaftsentwicklung beweisen und auch von einem
Inflationsschutz war nicht viel zu sehen.
Offensichtlich hängt die Entwicklung doch stärker von den fundamentalen
Faktoren wie zum Beispiel der globalen Minenproduktion, den
Notenbankverkäufen, dem Wachstum von Gold-ETFs und der Schmuckindustrie in
Indien und China ab, bei der laut Gold Fields Mineral Services (GFMS) ein
Rückgang festzustellen ist. Die Nachfrage der globalen Schmuckindustrie
gegenüber 2007 ist um 11 Prozent gesunken und fast 69 Prozent dieser
Rückgänge gehen dabei auf die Schmuckproduzenten in Indien, Italien, Türkei
und den USA zurück.
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