Gutmann Investment Mail Februar 2009

Warum startet Gold nicht durch?

Die Weltwirtschaft ist zurzeit der größten Krise und Bewährungsprobe seit 80 Jahren ausgesetzt. Die Flut negativer Konjunkturnachrichten erreicht immer wieder neue Höhepunkte und schlechte Unternehmensmeldungen führen zu großer Unsicherheit und Volatilitäten an den Aktienmärkten. Die Situation spiegelt sich auch an den Währungsmärkten wider. Der Ausblick für den USD wird durch die extrem hohen Finanzspritzen der US-Notenbank und der amerikanischen Regierung geschwächt, im Euroraum spekulieren Experten bereits über ein Zerbrechen des Euro und die Wahrscheinlichkeit für eine Aufwertung der asiatischen Währungen ist aufgrund des schwächelnden Exportsektors in den meisten Staaten sehr gering. Damit bietet sich für Gold ein optimales Umfeld, um seinen Status als sicherer Hafen zu beweisen. Tatsächlich ist die Entwicklung des Goldpreises mit einem Zuwachs von etwa 40 Prozent seit Beginn der Finanzkrise im Juli 2007 ganz ordentlich, angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage war aber ein wesentlich markanterer Anstieg zu erwarten.

Grafik: Entwicklung des Goldpreises und des MSCI World seit Juli 2007 in Prozent (Quelle: Bloomberg)

Der stärkste Anstieg des Goldkurses erfolgte bis Mitte März 2008. Aktuell notiert Gold etwa 10 Prozent tiefer, obwohl die internationalen Aktienmärkte die stärksten Verluste erst in der zweiten Jahreshälfte erlitten.

Etwa die Hälfte der weltweiten Goldnachfrage kommt aus China und Indien, wo traditionell eine hohe Affinität zu Gold vorhanden ist. Da die indische Rupie und der chinesische Yuan von den Zentralbanken beeinflusst werden, laufen die Anleger ständig Gefahr, ihre Ersparnisse durch eine Abwertung der Währung zu verlieren. Inflationsgeschützte Anleihen, Future-Kontrakte, Optionen und ausländische Währungen stellen für die ältere Generation keine Anlageoption dar und Gold ist die einzige Möglichkeit sich gegen Vermögensverfall abzusichern. Somit erscheint es nur logisch, dass mit dem zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung auch die Goldnachfrage steigt.

Nach dem Milliardenskandal um die gefälschten Bilanzen des indischen IT-Dienstleisters Satyam, dem Kollaps des chinesischen Aktienmarktes, den Zinssenkungen und den schwächelnden Immobilienmärkten in den beiden Ländern sind viele Goldinvestoren vom bisher moderaten Aufwärtstrend des Goldpreises enttäuscht. Bislang konnte das Metall nicht die erhoffte starke negative Korrelation mit der Wirtschaftsentwicklung beweisen und auch von einem Inflationsschutz war nicht viel zu sehen.

Offensichtlich hängt die Entwicklung doch stärker von den fundamentalen Faktoren wie zum Beispiel der globalen Minenproduktion, den Notenbankverkäufen, dem Wachstum von Gold-ETFs und der Schmuckindustrie in Indien und China ab, bei der laut Gold Fields Mineral Services (GFMS) ein Rückgang festzustellen ist. Die Nachfrage der globalen Schmuckindustrie gegenüber 2007 ist um 11 Prozent gesunken und fast 69 Prozent dieser Rückgänge gehen dabei auf die Schmuckproduzenten in Indien, Italien, Türkei und den USA zurück.

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