Gutmann Investment Mail Dezember 2008

Infrastruktur wird neuer Megatrend

Die Krise auf den Immobilienmärkten in den USA und in Teilen Europas sowie der darauf folgende Beinahe-Zusammenbruch des internationalen Bankensystems haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Monaten völlig verändert. Durch die in den Markt gepumpte Liquidität konnten die Zentralbanken zwar den Zusammenbruch des Finanzsystems verhindern, nicht aber den Rückgang der Weltkonjunktur. Die USA, Europa und Japan werden sich im kommenden Jahr zeitgleich in einer Rezession befinden und auch in den Schwellenländern wird sich das Wachstumstempo abschwächen.

Angesichts dieser Tatsache greifen Regierungen rund um den Globus auf die 72 Jahre alten Thesen des britischen Ökonomen John Maynard Keynes zurück. Keynes plädierte für einen Staat, der eine sinkende Nachfrage durch eigene Ausgaben ausgleicht. Durch öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, wie zum Beispiel in den Bau von Gebäuden, Brücken und Straßen, könne die Beschäftigung angekurbelt und die Ausgabebereitschaft der Konsumenten erhöht werden. Der Lehre Keynes folgend wurden in den letzten Wochen weltweit gigantische Konjunkturprogramme beschlossen.

Als einer der ersten Staaten gab China Anfang November bekannt, bis 2010 umgerechnet etwa 470 Milliarden Euro in Infrastruktur und Sozialprojekte zu investieren. Viele der Vorhaben sind zwar schon im Fünfjahresplan bis 2010 enthalten, nach einer Analyse von J.P. Morgan sind aber immerhin 188 Milliarden Euro für zusätzliche Ausgaben vorgesehen. Durch die Bereitstellung weiterer Mittel von regionalen Regierungen wuchs das Konjunkturprogramm zusätzlich noch um 1,2 Billionen Euro. Auch die Provinzregierungen wollen vor allem in das Schienen- und Straßennetz, in Häfen und den Wohnungsbau investieren.

Der zukünftige US-Präsident Barack Obama setzt ebenfalls auf die Modernisierung der Infrastruktur. Er kündigte an, durch Investitionen in öffentliche Infrastruktur, Schulen, Bildung, Gesundheit und grüne Energie innerhalb der nächsten Jahre 2,5 Millionen Jobs zu schaffen. Ein konkretes Volumen legte er nicht fest, einflussreiche Demokraten im Kongress beziffern das notwendige Volumen aber auf 500 bis 700 Milliarden USD.

Auch in der EU stellt man sich auf steigende Staatsschulden ein. Die Europäische Kommission hat ein Konjunkturprogramm vorgelegt, das ein Investitionsvolumen von 200 Milliarden Euro haben soll und unter anderem ebenfalls die Finanzierung großer Infrastrukturprojekte zum Ziel hat.

Diese immensen staatlichen Investitionen eröffnen sowohl in den Industriestaaten als auch in den Schwellenländern große Chancen für Unternehmen mit hohem Anteil im Infrastrukturmarkt. Einige Ökonomen sehen im Infrastruktursektor sogar bereits den neuen Kandidaten für die nächste Blase. Aber wie der Wirtschaftsexperte Eric Janszen in seinem Aufsatz schreibt: "Wenn man sieht, in welchem Zustand sich unsere Ökonomie gegenwärtig befindet, wäre nur eines schlimmer als eine neue Blase: keine neue Blase."

Der Infrastruktursektor ist im Gutmann Real Assets Portfolio bereits mit einem Gewicht von über 15 Prozent vertreten und zwischenzeitliche Rückschläge werden wir für weitere Aufstockungen nutzen.

Grafik: Entwicklung DWS Infrastrukturindex und MSCI World Index seit 1. Dezember 2005 (Quelle: Bloomberg)

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