Infrastruktur wird neuer Megatrend
Die Krise auf den Immobilienmärkten in den USA und in Teilen Europas sowie
der darauf folgende Beinahe-Zusammenbruch des internationalen Bankensystems
haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Monaten völlig
verändert. Durch die in den Markt gepumpte Liquidität konnten die
Zentralbanken zwar den Zusammenbruch des Finanzsystems verhindern, nicht
aber den Rückgang der Weltkonjunktur. Die USA, Europa und Japan werden sich
im kommenden Jahr zeitgleich in einer Rezession befinden und auch in den
Schwellenländern wird sich das Wachstumstempo abschwächen.
Angesichts dieser Tatsache greifen Regierungen rund um den Globus auf die 72
Jahre alten Thesen des britischen Ökonomen John Maynard Keynes zurück.
Keynes plädierte für einen Staat, der eine sinkende Nachfrage durch eigene
Ausgaben ausgleicht. Durch öffentliche Investitionen in die Infrastruktur,
wie zum Beispiel in den Bau von Gebäuden, Brücken und Straßen, könne die
Beschäftigung angekurbelt und die Ausgabebereitschaft der Konsumenten erhöht
werden. Der Lehre Keynes folgend wurden in den letzten Wochen weltweit
gigantische Konjunkturprogramme beschlossen.
Als einer der ersten Staaten gab China Anfang November bekannt, bis 2010
umgerechnet etwa 470 Milliarden Euro in Infrastruktur und Sozialprojekte zu
investieren. Viele der Vorhaben sind zwar schon im Fünfjahresplan bis 2010
enthalten, nach einer Analyse von J.P. Morgan sind aber immerhin 188
Milliarden Euro für zusätzliche Ausgaben vorgesehen. Durch die
Bereitstellung weiterer Mittel von regionalen Regierungen wuchs das
Konjunkturprogramm zusätzlich noch um 1,2 Billionen Euro. Auch die
Provinzregierungen wollen vor allem in das Schienen- und Straßennetz, in
Häfen und den Wohnungsbau investieren.
Der zukünftige US-Präsident Barack Obama setzt ebenfalls auf die
Modernisierung der Infrastruktur. Er kündigte an, durch Investitionen in
öffentliche Infrastruktur, Schulen, Bildung, Gesundheit und grüne Energie
innerhalb der nächsten Jahre 2,5 Millionen Jobs zu schaffen. Ein konkretes
Volumen legte er nicht fest, einflussreiche Demokraten im Kongress beziffern
das notwendige Volumen aber auf 500 bis 700 Milliarden USD.
Auch in der EU stellt man sich auf steigende Staatsschulden ein. Die
Europäische Kommission hat ein Konjunkturprogramm vorgelegt, das ein
Investitionsvolumen von 200 Milliarden Euro haben soll und unter anderem
ebenfalls die Finanzierung großer Infrastrukturprojekte zum Ziel hat.
Diese immensen staatlichen Investitionen eröffnen sowohl in den
Industriestaaten als auch in den Schwellenländern große Chancen für
Unternehmen mit hohem Anteil im Infrastrukturmarkt. Einige Ökonomen sehen im
Infrastruktursektor sogar bereits den neuen Kandidaten für die nächste
Blase. Aber wie der Wirtschaftsexperte Eric Janszen in seinem Aufsatz
schreibt: "Wenn man sieht, in welchem Zustand sich unsere Ökonomie
gegenwärtig befindet, wäre nur eines schlimmer als eine neue Blase: keine
neue Blase."
Der Infrastruktursektor ist im Gutmann Real Assets Portfolio bereits mit
einem Gewicht von über 15 Prozent vertreten und zwischenzeitliche
Rückschläge werden wir für weitere Aufstockungen nutzen.
Grafik: Entwicklung DWS Infrastrukturindex und MSCI World Index seit 1.
Dezember 2005 (Quelle: Bloomberg)
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