Rezessionsgefahr in Euroland nimmt zu
Nachdem die Stimmungsindikatoren der letzten Monate bereits eine
Wachstumsschwäche andeuteten, bestätigen jetzt auch die realen Daten, dass
die Wirtschaft im Euroraum unter den vielfältigen Belastungen einbricht. Das
Wachstum im zweiten Quartal litt unter stagnierendem Konsum, rückläufigen
Investitionen und schwachen Nettoexporten. Das BIP sank um 0,2 Prozent, und
im Durchschnitt der ersten beiden Quartale steht damit nur noch ein Plus von
je 0,2 Prozent. Vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien wurden
Rückgänge des Wirtschaftswachstums registriert.
Der Ausblick für das laufende Quartal ist ebenfalls bescheiden. Die
Kombination von starker Euro-Aufwertung in den letzten Jahren und weltweiter
Wachstumsabschwächung wird den Export weiter belasten. Der private Konsum
leidet unter den höheren Lebensmittel- und Treibstoffpreisen, den
verschärften Finanzierungsbedingungen und der wieder zunehmenden
Arbeitslosigkeit. Aufgrund der schwachen Konsumaussichten dürften sich auch
die Unternehmensinvestitionen weiter abschwächen.
Deshalb wird vermutlich auch die EZB ihre Wachstumsprognosen nach unten
revidieren und die Zinsen nicht mehr erhöhen, auch wenn Inflationsgefahr und
Zweitrundeneffekte weiter artikuliert werden. Durch die noch hohen Zinsen
bleibt für die Zentralbank viel Spielraum für Senkungen. Der Rückgang der
Inflation bekommt durch die starke Wachstumsabschwächung weiteren Schwung.
Selbst politisch indizierte inflationsbegründete "Umverteilung" und hohe
Lohnabschlüsse (beides prinzipiell inflationstreibend) können dann diesen
Effekt nicht aufhalten. Die EZB wird, wenn die Inflation in Richtung 2
Prozent zurückkommt, nicht zögern, die Zinsen massiv zu senken.
Die Risiken einer Rezession haben zugenommen. Schlüssel bleibt weiterhin der
auch für das Wachstum der letzten Jahre verantwortliche Export. Mit der
zunehmenden Abschwächung der Auslandsnachfrage aus den beiden
Hauptexportmärkten USA und UK gewinnt die Entwicklung in den Emerging
Markets und besonders in Asien an Bedeutung. Viele aufstrebende Länder
verzeichnen mittlerweile ebenfalls ein schwächeres, aber nach wie vor hohes
Wachstum und dürften den Druck auf die Exporte abfedern.
Nach etwa 12 Prozent im Vorjahr erwarten viele Volkswirte für China in
diesem und im kommenden Jahr immer noch ein Wachstum zwischen 9 und 10
Prozent. Auch unsere externen Partner Robert Lloyd George und GaveKal gehen
von einer Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung in China von ca. 8% in
den nächsten Jahren aus.
Vor diesem Hintergrund und der erwarteten EUR-Schwäche gegenüber dem USD
sowie nachgebenden Rohstoffpreisen sollte es der Exportindustrie weiterhin
gelingen, einen entsprechenden Beitrag zum GDP in Europa zu leisten, sodass
wir eine tiefe Rezession aktuell für unwahrscheinlich halten.
Grafik: Entwicklung des nach Handelsvolumen gewichteten Euro-Kurses und des
Exports seit 1998 (Quelle: Capital Economics)
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