Gutmann Investment Mail September 2008

Rezessionsgefahr in Euroland nimmt zu


Nachdem die Stimmungsindikatoren der letzten Monate bereits eine Wachstumsschwäche andeuteten, bestätigen jetzt auch die realen Daten, dass die Wirtschaft im Euroraum unter den vielfältigen Belastungen einbricht. Das Wachstum im zweiten Quartal litt unter stagnierendem Konsum, rückläufigen Investitionen und schwachen Nettoexporten. Das BIP sank um 0,2 Prozent, und im Durchschnitt der ersten beiden Quartale steht damit nur noch ein Plus von je 0,2 Prozent. Vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien wurden Rückgänge des Wirtschaftswachstums registriert.

Der Ausblick für das laufende Quartal ist ebenfalls bescheiden. Die Kombination von starker Euro-Aufwertung in den letzten Jahren und weltweiter Wachstumsabschwächung wird den Export weiter belasten. Der private Konsum leidet unter den höheren Lebensmittel- und Treibstoffpreisen, den verschärften Finanzierungsbedingungen und der wieder zunehmenden Arbeitslosigkeit. Aufgrund der schwachen Konsumaussichten dürften sich auch die Unternehmensinvestitionen weiter abschwächen.

Deshalb wird vermutlich auch die EZB ihre Wachstumsprognosen nach unten revidieren und die Zinsen nicht mehr erhöhen, auch wenn Inflationsgefahr und Zweitrundeneffekte weiter artikuliert werden. Durch die noch hohen Zinsen bleibt für die Zentralbank viel Spielraum für Senkungen. Der Rückgang der Inflation bekommt durch die starke Wachstumsabschwächung weiteren Schwung. Selbst politisch indizierte inflationsbegründete "Umverteilung" und hohe Lohnabschlüsse (beides prinzipiell inflationstreibend) können dann diesen Effekt nicht aufhalten. Die EZB wird, wenn die Inflation in Richtung 2 Prozent zurückkommt, nicht zögern, die Zinsen massiv zu senken.

Die Risiken einer Rezession haben zugenommen. Schlüssel bleibt weiterhin der auch für das Wachstum der letzten Jahre verantwortliche Export. Mit der zunehmenden Abschwächung der Auslandsnachfrage aus den beiden Hauptexportmärkten USA und UK gewinnt die Entwicklung in den Emerging Markets und besonders in Asien an Bedeutung. Viele aufstrebende Länder verzeichnen mittlerweile ebenfalls ein schwächeres, aber nach wie vor hohes Wachstum und dürften den Druck auf die Exporte abfedern.

Nach etwa 12 Prozent im Vorjahr erwarten viele Volkswirte für China in diesem und im kommenden Jahr immer noch ein Wachstum zwischen 9 und 10 Prozent. Auch unsere externen Partner Robert Lloyd George und GaveKal gehen von einer Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung in China von ca. 8% in den nächsten Jahren aus.

Vor diesem Hintergrund und der erwarteten EUR-Schwäche gegenüber dem USD sowie nachgebenden Rohstoffpreisen sollte es der Exportindustrie weiterhin gelingen, einen entsprechenden Beitrag zum GDP in Europa zu leisten, sodass wir eine tiefe Rezession aktuell für unwahrscheinlich halten.

Grafik: Entwicklung des nach Handelsvolumen gewichteten Euro-Kurses und des Exports seit 1998 (Quelle: Capital Economics) http://www.gutmann.at/uploads/pics/grafik1_200809.gif

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