Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 6. Juni ihren Leitzins erneut von
3,75 auf 4 Prozent angehoben. Mit der achten Erhöhung in Folge seit Ende
2005 sind die Zinsen bereits doppelt so hoch wie zu Beginn des Zyklus und
EZB-Präsident Trichet signalisierte, dass er am Zinserhöhungskurs festhalten
wird. Grund dafür ist die weiterhin boomende Konjunktur im Euroraum. Die
Einzelhandelsumsätze konnten sich weiter erholen, die Arbeitslosenrate ist
mit 7,1 Prozent abermals auf ein Rekordtief gefallen, und die Löhne und
Gehälter steigen spürbar. Damit wird auch der Konsum mehr und mehr zur
Wachstumsstütze. Die Verbraucher sind so zuversichtlich wie seit dem
Frühjahr 2001 nicht mehr, was ebenfalls für steigende Konsumausgaben
spricht. Folglich hat die EZB die Prognosen für das Wirtschaftswachstum für
dieses Jahr erneut nach oben revidiert und rechnet für 2007 mit einem
Wachstum von 2,6 Prozent. Vergangenen März ging die EZB noch von 2,5 Prozent
aus.
Der starke Aufschwung ist aber eine Gefahr für die Preisstabilität, welche
die EZB bei einer Inflation von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht. Im
Mai blieb die Teuerungsrate moderat bei 1,9 Prozent, doch den Prognosen der
Notenbank zufolge wird die Inflation im kommenden Jahr über ihrem Ziel
liegen. Tatsächlich haben sich die Aufwärtsrisiken mit dem anziehenden
Ölpreis und den steigenden Löhnen in den letzten Wochen verstärkt.
Grafik: Anziehender Ölpreis und enger werdender Arbeitsmarkt (Quelle:
Bloomberg)
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik1_200707_01.gif
Die EZB verfolgt eine Zwei-Säulen-Strategie: Sie beobachtet die
Inflationsentwicklung und die Geldmenge. Mit einem Anstieg von 10,4 Prozent
gegenüber dem Vorjahr liegt das Geldmengenwachstum nach wie vor doppelt so
hoch wie der von der EZB angestrebte Wert von 4,5 Prozent.
Höhere Zinsen gelten aber als Konjunkturbremse, und die Notenbank muss
aufpassen, dass sie die Zinsen nicht zu schnell anhebt. Französische
Spitzenpolitiker und einige Ökonomen werfen den europäischen Währungshütern
vor, durch einen zu restriktiven Kurs die Konjunktur zu belasten.
Zinserhöhungen zeigen ihre Wirkung auf die Wirtschaft erst mit einer
Verzögerung von etwa zwölf Monaten. Die ersten Signale einer Abschwächung
vor allem an den Immobilienmärkten und bei der Immobilienkreditvergabe sind
bereits erkennbar. Ein Ende der Zinserhöhungen ist aber unwahrscheinlich.
Anders als die US-Notenbank verzichtet die EZB auf eine konjunkturelle
Feinsteuerung. Trotz verstärkter Diskussionen über die Aussagekraft der
Geldmenge zur Begründung von Inflationsgefahren dürfte die EZB an der
langfristig ausgerichteten monetären Analyse festhalten.
Die meisten Volkswirte rechnen 2007 noch mit zwei Zinserhöhungen im
September und Dezember auf dann 4,5 Prozent. Weitere Zinserhöhungen darüber
hinaus würden die Wachstumsperspektiven für 2008 erheblich eintrüben. Es gab
aber von der EZB bereits versteckte Hinweise darauf, dass der
Straffungszyklus dann vorbei ist. Sie verwies auf eine Stabilisierung der
Kreditnachfrage des privaten Sektors in den vergangenen Monaten und vermied,
die Rhetorik bezüglich der Inflationsrisiken weiter zu verschärfen.
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