Aktienmärkte vor der Trendwende?
Vor allem gegen Ende des Monats sorgten widersprüchliche Signale aus der
Wirtschaft für Ratlosigkeit an den internationalen Finanzmärkten. Die
Aktienmärkte pendelten oft ohne triftigen Grund vom Plus ins Minus und erst
kurz vor Börsenende war absehbar, ob der Markt mit Gewinnen oder Verlusten
schließt.
Den größten Unsicherheitsfaktor bilden derzeit die Gewinnprognosen der
Analysten. Laut Thomson Financial liegen die Konsensschätzungen für das
Gewinnwachstum der S&P 500-Unternehmen für 2008 noch bei 15,9 Prozent. Da
die Prognosen aber in den letzten Monaten kontinuierlich nach unten
revidiert wurden, steigt die Sorge über die Verlässlichkeit der Schätzungen.
Die Gewinndynamik - die treibende Kraft der Aktienmärkte - hat in den
letzten Monaten stark nachgelassen. So hat sich der Anstieg der Gewinne der
S&P 500-Unternehmen im 4. Quartal 2007 im Vergleich zum 4. Quartal 2006 um
fast 20 Prozent abgeschwächt. Aufgrund der nachhaltigen Kursrückgänge der
letzten Wochen zeigen sich die internationalen Aktienmärkte inzwischen
attraktiv bewertet. Der DJ Stoxx 600 hat, auf Basis der Gewinnschätzungen
für das laufende Jahr, derzeit ein KGV von 10,8, und der S&P 500 liegt mit
knapp 14 ebenfalls auf einem sehr gesunden Niveau.
Während die Gewinnrevisionen noch negative Signale liefern, sind bei den
Konjunkturindikatoren vereinzelt bereits erste Stabilisierungstendenzen
erkennbar. Ein großer Teil des Welthandels findet mit Hilfe von Schiffen
statt, und die Kostenentwicklung für die Verschiffung ermöglicht die
Einschätzung der Entwicklung des Welthandels. Der Baltic Dry Index (BDI)
repräsentiert die aktuellen Transportpreise von verschiedenen Schiffsklassen
und Routen und gilt als Vorlaufindikator für die globale Konjunktur. Im Jahr
2007 sind die Frachtraten bis Mitte November um 150 Prozent angestiegen. Bis
Ende Jänner dieses Jahres brach der BDI dann um fast 50 Prozent ein. Seitdem
befindet sich der Index wieder in einer Aufwärtsbewegung.
Grafik: Entwicklung des Baltic Dry Index seit Jahresbeginn 2007 (Quelle:
Bloomberg)
http://www.gutmann.at/uploads/pics/grafik1_200803.gif
Durch den verschlechterten wirtschaftlichen Ausblick ließ sich die
US-Notenbank davon überzeugen, den Zielsatz auf 3 Prozent zu senken. Die
Bereitschaft der Fed, einer Rezession weiter entgegen zu steuern, und das
von der US-Regierung geplante Konjunkturpaket dürften zumindest
mittelfristig zu einer Stabilisierung der Finanzmärkte beitragen. Die harten
Daten bestätigen das Rezessionsszenario der Frühindikatoren bislang nicht,
die überwiegende Mehrheit der Makroindikatoren deutet nur eine starke
Wachstumsabschwächung an. Ein durchgreifender Wandel zum Positiven läßt sich
aber noch nicht ausmachen. Gerade dieses uneinheitliche Bild erhöht aber
auch die Möglichkeit für einen Wendepunkt, der oft in eine instabile
Situation und eine Phase großer Verunsicherung bei den Investoren
eingebettet ist. Kurzfristig bleibt erhebliches Korrekturpotenzial, vor
allem weitere Abwärtsrevisionen der Gewinnerwartungen werden die Märkte
immer wieder belasten.
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