Gutmann Investment Mail März 2008

Aktienmärkte vor der Trendwende?

Vor allem gegen Ende des Monats sorgten widersprüchliche Signale aus der Wirtschaft für Ratlosigkeit an den internationalen Finanzmärkten. Die Aktienmärkte pendelten oft ohne triftigen Grund vom Plus ins Minus und erst kurz vor Börsenende war absehbar, ob der Markt mit Gewinnen oder Verlusten schließt.

Den größten Unsicherheitsfaktor bilden derzeit die Gewinnprognosen der Analysten. Laut Thomson Financial liegen die Konsensschätzungen für das Gewinnwachstum der S&P 500-Unternehmen für 2008 noch bei 15,9 Prozent. Da die Prognosen aber in den letzten Monaten kontinuierlich nach unten revidiert wurden, steigt die Sorge über die Verlässlichkeit der Schätzungen. Die Gewinndynamik - die treibende Kraft der Aktienmärkte - hat in den letzten Monaten stark nachgelassen. So hat sich der Anstieg der Gewinne der S&P 500-Unternehmen im 4. Quartal 2007 im Vergleich zum 4. Quartal 2006 um fast 20 Prozent abgeschwächt. Aufgrund der nachhaltigen Kursrückgänge der letzten Wochen zeigen sich die internationalen Aktienmärkte inzwischen attraktiv bewertet. Der DJ Stoxx 600 hat, auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr, derzeit ein KGV von 10,8, und der S&P 500 liegt mit knapp 14 ebenfalls auf einem sehr gesunden Niveau.

Während die Gewinnrevisionen noch negative Signale liefern, sind bei den Konjunkturindikatoren vereinzelt bereits erste Stabilisierungstendenzen erkennbar. Ein großer Teil des Welthandels findet mit Hilfe von Schiffen statt, und die Kostenentwicklung für die Verschiffung ermöglicht die Einschätzung der Entwicklung des Welthandels. Der Baltic Dry Index (BDI) repräsentiert die aktuellen Transportpreise von verschiedenen Schiffsklassen und Routen und gilt als Vorlaufindikator für die globale Konjunktur. Im Jahr 2007 sind die Frachtraten bis Mitte November um 150 Prozent angestiegen. Bis Ende Jänner dieses Jahres brach der BDI dann um fast 50 Prozent ein. Seitdem befindet sich der Index wieder in einer Aufwärtsbewegung.

Grafik: Entwicklung des Baltic Dry Index seit Jahresbeginn 2007 (Quelle: Bloomberg) http://www.gutmann.at/uploads/pics/grafik1_200803.gif

Durch den verschlechterten wirtschaftlichen Ausblick ließ sich die US-Notenbank davon überzeugen, den Zielsatz auf 3 Prozent zu senken. Die Bereitschaft der Fed, einer Rezession weiter entgegen zu steuern, und das von der US-Regierung geplante Konjunkturpaket dürften zumindest mittelfristig zu einer Stabilisierung der Finanzmärkte beitragen. Die harten Daten bestätigen das Rezessionsszenario der Frühindikatoren bislang nicht, die überwiegende Mehrheit der Makroindikatoren deutet nur eine starke Wachstumsabschwächung an. Ein durchgreifender Wandel zum Positiven läßt sich aber noch nicht ausmachen. Gerade dieses uneinheitliche Bild erhöht aber auch die Möglichkeit für einen Wendepunkt, der oft in eine instabile Situation und eine Phase großer Verunsicherung bei den Investoren eingebettet ist. Kurzfristig bleibt erhebliches Korrekturpotenzial, vor allem weitere Abwärtsrevisionen der Gewinnerwartungen werden die Märkte immer wieder belasten.

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