Gutmann Investment Mail Februar 2008

Rohstoffe als Portfolio-Stabilisatoren

Die Angst vor einer US-Rezession und einem Übergreifen auf die Weltwirtschaft führte in den letzten Wochen zu dramatischen Kurseinbrüchen an den globalen Aktienmärkten. Der europäische Aktienmarkt, gemessen am Dow Jones Stoxx 50, brach an einem einzigen Tag um mehr als 7 Prozent ein, und seit Jahresanfang mussten die großen Indizes wie der S&P 500 und der Nikkei 7,7 bzw. 11,2 Prozent an Wert abgeben. Während bei den letzten Korrekturen an den Aktienmärkten auch die Rohstoffkurse fielen, zeigen sich die Rohstoffmärkte diesmal robust. Abgesehen von Energie liegen die wichtigsten Rohstoff-Futures seit Jahresbeginn im Plus. Die Notierungen für Weizen haben um 4,7 Prozent, für Mais um 9,1 Prozent und für Soja um 7,3 Prozent angezogen. Gold und Silber weisen Aufschläge von 10 bzw. 12,8 Prozent auf und selbst die meisten Basismetalle konnten zulegen. Dennoch dürfte die prognostizierte Abschwächung der US-Konjunktur nicht spurlos an den Rohstoffmärkten vorbeigehen, die einzelnen Segmente sind aber unterschiedlich von der schwächeren Nachfrage betroffen.

Angesichts der starken Abhängigkeit von der industriellen Nachfrage ist der Industriemetallsektor deutlich anfälliger gegenüber der Eintrübung des konjunkturellen Umfeldes als die übrigen Rohstoffe. Allerdings kommt das globale Nachfragewachstum immer weniger aus den USA als aus den Schwellenländern, und bisher ergaben sich keine Anzeichen, dass sich das Wirtschaftswachstum in China oder Indien nennenswert abschwächt. Ein Faktor, der sich bereits im Jahr 2007 negativ auf die Preisentwicklung ausgewirkt hat, ist das steigende Angebotswachstum bei den meisten Grundmetallen; und da die Explorationsausgaben in den letzten Jahren stark angestiegen sind, ist auch künftig mit einer Ausweitung des Angebots zu rechnen.

Überraschend gute Konjunkturzahlen, vor allem aus den USA, trugen in den letzten Tagen zu einem leichten Anstieg des Ölpreises bei. In den kommenden Monaten dürfte aber auch die Nachfrage nach Öl ein wenig abflachen und zu sinkenden Notierungen beitragen. Auch die OPEC ist der Meinung, dass der Markt ausreichend mit Öl versorgt ist, und ließ bei ihrem Treffen im Dezember die offiziellen Förderquoten unverändert.

Der Agrarsektor hingegen ist weniger konjunktursensitiv und die Nachfrage- und Angebotsfaktoren sollten weiter unterstützend wirken. Mais, Weizen, Zucker und Raps werden zunehmend für die Herstellung von Biokraftstoffen verwendet, und der Trend der Schwellenländer zu mehr Fleischkonsum - und damit zu einer verstärkten Futtermittelnachfrage - hält weiter an. Das Angebot an den weltweiten Getreidemärkten ist hingegen nach wie vor begrenzt. Aufgrund von wetterbedingten Angebotsunterbrechungen und der zunehmenden Nachfrage sind die Lagerbestände insbesondere bei Weizen auf Tiefststände gefallen.

Die Gewinner der Rezessionsängste sind die Edelmetalle, denn durch die einbrechenden Aktienmärkte gewinnt vor allem Gold an Attraktivität als Absicherungsinstrument. Seit Jahresbeginn senkte die Fed ihren Zinssatz um 125 Basispunkte. Sinkende US-Zinsen sprechen für eine Fortsetzung der USD-Schwäche und erhöhen die Inflationsrisiken, was ebenfalls positiv für Goldanlagen zu werten ist.

Grafik: Entwicklung der einzelnen Rohstoffsektoren gemessen am DJ AIG Commodity Index und den einzelnen Subindizes seit Jahresbeginn (Quelle: Bloomberg) http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik1_200802.gif

Der Diversifikationsvorteil von Rohstoffen bietet natürlich keinen absoluten Schutz vor Kursverlusten, aber so lange die Nachfrage das Angebot übersteigt, bewegen sich die Kurse der Rohstoff-Futures unabhängig von den Aktienmärkten aufwärts. Rohstoffe werden bei Gutmann durch das Real Assets Portfolio abgebildet, das im Rohstoffteil aktuell 38 Prozent Landwirtschaft, 35,5 Prozent Metalle und 26,3 Prozent Energie enthält.

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