Rohstoffe als Portfolio-Stabilisatoren
Die Angst vor einer US-Rezession und einem Übergreifen auf die
Weltwirtschaft führte in den letzten Wochen zu dramatischen Kurseinbrüchen
an den globalen Aktienmärkten. Der europäische Aktienmarkt, gemessen am Dow
Jones Stoxx 50, brach an einem einzigen Tag um mehr als 7 Prozent ein, und
seit Jahresanfang mussten die großen Indizes wie der S&P 500 und der Nikkei
7,7 bzw. 11,2 Prozent an Wert abgeben. Während bei den letzten Korrekturen
an den Aktienmärkten auch die Rohstoffkurse fielen, zeigen sich die
Rohstoffmärkte diesmal robust. Abgesehen von Energie liegen die wichtigsten
Rohstoff-Futures seit Jahresbeginn im Plus. Die Notierungen für Weizen haben
um 4,7 Prozent, für Mais um 9,1 Prozent und für Soja um 7,3 Prozent
angezogen. Gold und Silber weisen Aufschläge von 10 bzw. 12,8 Prozent auf
und selbst die meisten Basismetalle konnten zulegen. Dennoch dürfte die
prognostizierte Abschwächung der US-Konjunktur nicht spurlos an den
Rohstoffmärkten vorbeigehen, die einzelnen Segmente sind aber
unterschiedlich von der schwächeren Nachfrage betroffen.
Angesichts der starken Abhängigkeit von der industriellen Nachfrage ist der
Industriemetallsektor deutlich anfälliger gegenüber der Eintrübung des
konjunkturellen Umfeldes als die übrigen Rohstoffe. Allerdings kommt das
globale Nachfragewachstum immer weniger aus den USA als aus den
Schwellenländern, und bisher ergaben sich keine Anzeichen, dass sich das
Wirtschaftswachstum in China oder Indien nennenswert abschwächt. Ein Faktor,
der sich bereits im Jahr 2007 negativ auf die Preisentwicklung ausgewirkt
hat, ist das steigende Angebotswachstum bei den meisten Grundmetallen; und
da die Explorationsausgaben in den letzten Jahren stark angestiegen sind,
ist auch künftig mit einer Ausweitung des Angebots zu rechnen.
Überraschend gute Konjunkturzahlen, vor allem aus den USA, trugen in den
letzten Tagen zu einem leichten Anstieg des Ölpreises bei. In den kommenden
Monaten dürfte aber auch die Nachfrage nach Öl ein wenig abflachen und zu
sinkenden Notierungen beitragen. Auch die OPEC ist der Meinung, dass der
Markt ausreichend mit Öl versorgt ist, und ließ bei ihrem Treffen im
Dezember die offiziellen Förderquoten unverändert.
Der Agrarsektor hingegen ist weniger konjunktursensitiv und die Nachfrage-
und Angebotsfaktoren sollten weiter unterstützend wirken. Mais, Weizen,
Zucker und Raps werden zunehmend für die Herstellung von Biokraftstoffen
verwendet, und der Trend der Schwellenländer zu mehr Fleischkonsum - und
damit zu einer verstärkten Futtermittelnachfrage - hält weiter an. Das
Angebot an den weltweiten Getreidemärkten ist hingegen nach wie vor
begrenzt. Aufgrund von wetterbedingten Angebotsunterbrechungen und der
zunehmenden Nachfrage sind die Lagerbestände insbesondere bei Weizen auf
Tiefststände gefallen.
Die Gewinner der Rezessionsängste sind die Edelmetalle, denn durch die
einbrechenden Aktienmärkte gewinnt vor allem Gold an Attraktivität als
Absicherungsinstrument. Seit Jahresbeginn senkte die Fed ihren Zinssatz um
125 Basispunkte. Sinkende US-Zinsen sprechen für eine Fortsetzung der
USD-Schwäche und erhöhen die Inflationsrisiken, was ebenfalls positiv für
Goldanlagen zu werten ist.
Grafik: Entwicklung der einzelnen Rohstoffsektoren gemessen am DJ AIG
Commodity Index und den einzelnen Subindizes seit Jahresbeginn (Quelle:
Bloomberg)
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik1_200802.gif
Der Diversifikationsvorteil von Rohstoffen bietet natürlich keinen absoluten
Schutz vor Kursverlusten, aber so lange die Nachfrage das Angebot
übersteigt, bewegen sich die Kurse der Rohstoff-Futures unabhängig von den
Aktienmärkten aufwärts. Rohstoffe werden bei Gutmann durch das Real Assets
Portfolio abgebildet, das im Rohstoffteil aktuell 38 Prozent Landwirtschaft,
35,5 Prozent Metalle und 26,3 Prozent Energie enthält.
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