Portfolio Management Report 4. Quartal 2007

Rückblick 2007

Die beherrschenden Themen im zurückliegenden Jahr waren die Subprime-Krise in den USA und mögliche Folgen für die Konjunktur und die Finanzmärkte. Schon im Frühjahr 2007, als den Anlegern die Probleme am US-Hypothekenmarkt zum ersten Mal bewusst wurden, kam es zu kräftigen Kursrückgängen an den internationalen Börsen. Die erste Unsicherheit war aber schnell überwunden und im Juni erreichten die Aktienkurse neue Höchststände. Dann wurde bekannt, dass mehrere große Finanzhäuser mit ihren Investitionen in strukturierte Kreditprodukte große Verluste erlitten hatten. Auch europäische Banken gerieten wegen ihrer Engagements im US-Subprime-Segment in eine finanzielle Schieflage. Die Anzeichen einer tieferen Krise des US-Immobilienmarkts riefen heftige Kursstürze an den Aktienmärkten hervor. Im Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte August verloren der S&P500 9,5 Prozent und der Stoxx50 sogar über 11,0 Prozent.

Grafik: Entwicklung des Gutmann CEE Portfolios seit Jahresbeginn vs. Interne Benchmark (Stand: 11.12.2007) (Quelle: Gutmann Portfolio Management)

Nachdem die US-Notenbank die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt hatte, kehrte im September die Risikobereitschaft der Investoren zurück. Im Vergleich zum Jahresbeginn weist der Stoxx50 nun immerhin wieder ein Plus von knapp 7,0 Prozent auf. Auch US-Aktien haben sich in diesem Jahr, gemessen in Lokalwährung, trotz Immobilienkrise wieder gut entwickelt. Der Anstieg des S&P500 von 8,1 Prozent wurde aber durch Währungsverluste verwässert und für ausländische Investoren fiel die Performance sogar negativ aus. Der USD befindet sich seit Mitte August in einer Abwärtsbewegung und hat gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn um über 11,0 Prozent abgewertet. Die Aktienmärkte in Asien profitierten weiterhin vom Interesse der Investoren. Der Hang Seng-Index konnte einen respektablen Kursgewinn von 39,0 Prozent erzielen. Der einzige wichtige Aktienmarkt mit einer negativen Performance war wieder Japan, der TOPIX-Index schloss am 13. Dezember mit einem Minus von knapp 9,0 Prozent seit Jahresanfang. Aufgrund unserer starken Asien-Übergewichtung erzielten unsere Dachfonds auch im Jahr 2007 wieder eine Outperformance. Auch die geringe Gewichtung des japanischen Aktienmarktes erwies sich von Vorteil. Lateinamerika und Osteuropa trugen ebenfalls zur guten Performance bei. Dementsprechend gut behaupten konnte sich wieder das CEE Portfolio, das mit einer Performance von 15,0 Prozent ebenfalls über der Benchmark lag.

Die Rentenmärkte zeigten Mitte des Jahres 2007 einen deutlichen Trendbruch, der Hand in Hand mit der Krise des amerikanischen Kredit-Sektors ging. Im ersten Halbjahr 2007 verloren die europäischen Staatsanleihen im Umfeld sich ständig verbessernder Daten zum Wirtschaftswachstum und zum Arbeitsmarkt mehr als 2,0 Prozent. Ein Ende des Zinserhöhungszyklus der EZB war nicht abzusehen und im Juni standen die Staatsanleihen auf einem Tiefpunkt. Die Kommunikation der EZB deutete mit den klaren Codewörtern ³strenge Wachsamkeit² (gegenüber der Inflation) eine weiter streng restriktive Geldpolitik an. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten High-Yield- und Emerging Markets-Anleihen die Erwartungen der Anleger mehr als erfüllen. Die Prämie, die für das Risiko zu erwarten war, schmolz aber immer mehr dahin.

Mit den Meldungen von großen Verlusten bei zwei Hedgefonds begann die konträre zweite Hälfte des Jahres 2007. Als die großen Banken zuerst in Europa und dann weltweit hohe Abschreibungen melden mussten und die Aktienindizes fielen, waren die sicheren Staatsanleihen wieder gefragt und gewannen seither 4,0 Prozent. Weitere Zinserhöhungen der EZB blieben aus und die ungetrübt positiven Wachstumserwartungen für die nächsten Jahre wichen ernsthaften Bedenken über die mittelfristigen Auswirkungen der Kreditkrise. Tatsächlich waren nicht nur unmittelbar damit verbundene Anleihen und sogenannte Kreditderivate (ABS, MBS, CDO, usw.) vom Kursverfall betroffen, sondern auch die Funktionsfähigkeit des Interbankenmarktes. Die Unsicherheit der Marktteilnehmer wuchs und die Banken weigerten sich, gegenseitig Geld zu verleihen. Auch der Markt für Unternehmensanleihen kam stark unter Druck. Aus der lokalen Krise wurde eine globale Vertrauenskrise, die längerfristig die Finanzierung der Unternehmen verteuert und das Wachstum hemmt.

Robuste Konjunktur in Euroland

Grafik: Kursentwicklung diverser Anlagekategorien im Jahr 2007 (Stand: 10.12.2007) (Quelle: Gutmann Portfolio Management)

Trotz verschlechterter Rahmenbedingungen hat die Wirtschaft ihr Expansionstempo im 3. Quartal wieder etwas beschleunigt. Das BIP ist im 3. Quartal 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent gestiegen. Die Komponenten zeigten, dass das Wachstum vor allem von den Investitionen getrieben war. Die Nettoexporte wurden von der starken Aufwertung des Euro belastet und wirkten dämpfend auf das Wirtschaftswachstum. Der private Konsum war zwar eine Wachstumsstütze, vor dem Hintergrund der guten Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung wäre aber eine noch stärkere Konsumaktivität zu erwarten gewesen. Der Einzelhandel enttäuschte mit nur kleinen Umsatzzuwächsen im August und September und einem Rückgang von 0,7 Prozent im Oktober. Höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise trieben die Inflationsrate im November auf 3,0 Prozent und belasteten die privaten Haushalte. Die meisten Stimmungsindikatoren haben sich verschlechtert. Die Einkaufsmanagerindizes liegen aber sowohl für das verarbeitende Gewerbe als auch für das Dienstleitungsgewerbe weiterhin deutlich im expansiven Bereich.

USA - Zeichen stehen auf Abschwächung

Nach dem unerwartet starken Wirtschaftswachstum von 4,8 Prozent im 3. Quartal 2007 deuten die aktuellen Konjunkturindikatoren nun auf die prognostizierte Abschwächung im laufenden und im kommenden Quartal hin. Die Industrieproduktion ist im Oktober um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen, der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe näherte sich der Expansionsgrenze von 50 Punkten und das Verbrauchervertrauen zeigt mit dem vierten Rückgang in Folge die bescheidene Stimmung der privaten Haushalte. Trotzdem zeigte sich der private Konsum noch robust. Die Einzelhandelsumsätze starteten mit einem Plus von 0,2 Prozent im Oktober relativ gut ins 4. Quartal und auch das Weihnachtsgeschäft scheint besser zu laufen als erwartet. Gestützt wurden die Konsumausgaben der privaten Haushalte durch den soliden Arbeitsmarkt und die steigenden Einkommen. Abwärtsrisiken bringt die anhaltende Korrektur im Wohnungsbau, die durch den hohen Angebotsüberhang bei Häusern verstärkt wird. Die Hauspreise, gemessen am OFHEO-Hauspreis-Index sind im Landesdurchschnitt erstmals seit 13 Jahren gefallen.

Starke Dynamik in Asien - Japan enttäuscht

In Japan fielen die letzten veröffentlichten Wirtschaftszahlen, im Gegensatz zu den guten Daten im ersten Halbjahr 2007, enttäuschend aus. Das Wachstum, welches im 1. Quartal noch ausgesprochen stark war, wies im Quartal von April bis Juni ein negatives Vorzeichen aus. Und auch der Rebound im 3. Viertel des Jahres fiel schwächer als erwartet aus. Auch der japanische Aktienmarkt blieb hinter den Erwartungen zurück. Er konnte die Underperformance des letzten Jahres nicht wettmachen, sondern entwickelte sich auch heuer deutlich schwächer als die anderen entwickelten Märkte.

Wie auch bereits in den letzten Jahren war Asien auch in diesem Jahr die Region mit der größten Wachstumsdynamik. Die letzten Monate haben aber auch gezeigt, dass in Zeiten der Unsicherheit die Volatilität in dieser Region stärker als in den entwickelten Märkten ansteigt. Außerdem war zuletzt ein starker Anstieg der Inflation zu verzeichnen. Dieser war jedoch zum Großteil auf die stark gestiegenen Lebensmittelpreise zurückzuführen.

In China wurde im Oktober der alle fünf Jahre stattfindende Parteikongress abgehalten. Wichtige Themen waren dabei die schrittsweise Öffnung des Kapitalmarktes, Umweltschutz sowie eine Reduzierung der Einkommensschere. Die Möglichkeit chinesischer Investoren, zunächst nach Hongkong zu gehen, wurde jedoch im November wieder reduziert, was eine Korrektur an der Hongkonger Börse zur Folge hatte. Von einer schrittweisen Öffnung des Marktes ist jedoch auszugehen.

Ausblick 2008

Grafik: Entwicklung der Vermögensverwaltungsdachfonds im Jahr 2007 (Stand: 12.12.2007) (Quelle: Gutmann Portfolio Management)

Euroland - starker Euro bremst Wachstum

Nach dem Wachstumsplus von 0,7 Prozent im 3. Quartal dürfte sich das BIP im 4. Quartal deutlich abschwächen. Die Unternehmen sind einer Reihe von Belastungsfaktoren ausgesetzt, die auf ihre Gewinne drücken. Dazu zählen der Höhenflug des Euro, verschärfte Kreditkonditionen und steigende Lohnkosten. Die Dynamik der Investitionstätigkeit wird nach dem starken Wachstum in den letzten Quartalen nachlassen. Auch die Nettoexporte dürften nicht an die hohen Zuwachsraten aus den Vorjahren anknüpfen können und nach zwei Jahren mit positivem Wachstumsbeitrag 2008 zu einer Wachstumsbelastung werden. Im Gegensatz dazu sollte der private Verbrauch vom anhaltend starken Beschäftigungswachstum profitieren. Auch die Löhne und Gehälter dürften höher ausfallen als in den letzten Jahren und genug Spielraum für eine Ausweitung des Konsums bieten. Die EZB hat zwar ihre BIP-Prognosen gesenkt, erwartet aber trotz verschlechterter Rahmenbedingungen für die nächsten beiden Jahre Wachstumsraten von 2,0 bzw. von 2,1 Prozent. Die kurzfristigen Inflationsaussichten haben sich dagegen signifikant verschlechtert. Die Inflationsprognose für nächstes Jahr wurde von 2,0 Prozent auf 2,5 Prozent angehoben, was für unveränderte Leitzinsen im kommenden Jahr spricht.

USA - schwächer, aber keine Rezession

Bereits seit einigen Monaten deuten die nachgebenden Stimmungsindikatoren auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hin. Die Wohnungsbaurezession, die Kreditmarktkrise und der hohe Ölpreis dürften in den nächsten beiden Quartalen zu einer deutlichen Wachstumsabschwächung führen. Die wesentliche Triebkraft der US-Wirtschaft ist der private Konsum und in den kommenden Monaten werden die Verbraucher von steigenden Energiekosten und rückläufigen Immobilienpreisen belastet. Die Verschärfung der Kreditvergabebedingungen bremst auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die gedämpfte Investitionsdynamik dürfte wiederum zu schwächeren Beschäftigungszuwächsen am Arbeitsmarkt führen. Bislang zeigen die Indikatoren, die Aufschluss über die Investitionstätigkeit der Unternehmen geben, nur einen gedämpften Start ins 4. Quartal. Eine signifikante Abschwächung und ein Übergreifen auf die Beschäftigung und das Einkommenswachstum der privaten Haushalte würden die Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft deutlich erhöhen. Bislang zeigt sich der US-Arbeitsmarkt widerstandsfähig und wir erwarten auch in den nächsten Monaten keinen Einbruch. Die privaten Ausgaben dürften sich aber in der ersten Hälfte des kommenden Jahres nur mehr unterdurchschnittlich ausweiten. Stützend für die US-Konjunktur wirken die solide Weltkonjunktur, die Schwäche des USD und die gelockerte Geldpolitik. Die US-Notenbank erwartet für 2007 ein Wirtschaftswachstum von 2,4 bis 2,5 Prozent, für 2008 prognostiziert sie einen Anstieg des BIPs im Bereich von 1,8 bis 2,5 Prozent. Die Fed erwartet die Kerninflation bei 1,8 bis 1,9 Prozent für 2007 und bei 1,7 bis 1,9 Prozent für 2008.

Japan - Wachstumsdelle oder längerfristiger Rückgang des Wachstums

Der Wachstumseinbruch in Japan wird immer offensichtlicher und teilweise wird auch bereits wieder das Wort Rezession laut. Neben einem Rückgang des Exportwachstums aufgrund geringerer Ausfuhren vor allem in die USA trüben sich auch die Aussichten auf die ohnehin schwache private Nachfrage weiter ein. Zuletzt war auch das Vertrauen der Konsumenten stark gesunken, was gegen eine Ausweitung der Ausgaben spricht. Dieses Verhalten ist auf einen von den privaten Haushalten erwarteten Anstieg der Inflation zurückzuführen. Zwar ist die Kernrate nach wie vor negativ und ein starker Anstieg ist von dieser Seite nicht zu erwarten, die Gesamtrate der Inflation stieg jedoch zuletzt aufgrund der stark gestiegenen Lebensmittelpreise an, wodurch weniger Geld für anderweitige Ausgaben zur Verfügung steht. Für etwas Entspannung könnten die Unternehmensinvestitionen sorgen, welche sogar nach oben revidiert werden könnten. Auch wenn die Aussichten derzeit nicht besonders rosig erscheinen, einige Indikatoren sind sogar zurückgekommen, sind sie dennoch auf einem relativ hohen Niveau.

Abkoppelung Asiens?

Betrachtet man die Wirtschaftsdaten, so ist eine gewisse Abkoppelung der asiatischen Länder von der globalen Entwicklung zu beobachten. Die Volkswirtschaften Asiens haben in den letzen Jahren ihre Schulden abgebaut, die Bilanzen bereinigt und eine ausgeglichenere Wirtschaftsstruktur aufgebaut, wodurch sie wesentlich weniger anfällig gegenüber einem globalen Wirtschaftsabschwung geworden sind. Allerdings können sich die asiatischen Länder dem weltweiten Rückgang des Wachstums nicht zur Gänze entziehen, denn aufgrund der starken Verflechtung des globalen Handels und der schwachen Konjunktur in den USA sind Einbußen bei den Exporten zu verzeichnen, wobei deutliche Unterschiede zwischen den Ländern zu verzeichnen sind. Positiv wirken sich jedoch der stetigen Anstieg der lokalen Nachfrage, welcher auf einen Anstieg des Wohlstandes der Bevölkerung zurückzuführen ist und einen Teil der Ausfälle der Exporte ausgleichen kann, sowie der Handel innerhalb der Region aus. Doch auch zahlreiche Infrastrukturprojekte der Regierungen unterstützen das Wachstum.

Die zuletzt angestiegene Volatilität an den Börsen Asiens wird auch 2008 ein Thema sein. Dennoch gehen wir von einer besseren Performance der asiatischen Märkte im Vergleich zu den entwickelten Ländern aus. Betreffend der Überhitzung des chinesischen Aktienmarktes ist zu sagen, dass die Regierung aufgrund der im nächsten Jahr stattfindenden Olympischen Spiele alles daran setzen wird, den chinesischen Aktienmarkt bis dahin stabil zu halten. Danach ist eine Korrektur aber durchwegs möglich.

Gute Chancen auf den Rentenmärkten

Jede Krise endet in der Entstehung von neuen Chancen. Die große Chance für 2008 entsteht durch die veränderte Einschätzung des Risikos von Krediten. Bis Mitte 2007 wurde dieses Risiko nur mit geringen Prämien entlohnt und Investoren mussten gegen Ende des Jahres Verluste hinnehmen. Umso größer sind die Chancen für 2008, die sich für Investoren in diversifizierte Portfolios ergeben. Wann allerdings der Negativtrend endgültig durchbrochen wird und sich die Situation wieder beruhigt, ist schwer zu prognostizieren. Letztlich ist auch wieder von vermehrten Ausfällen bei Unternehmensanleihen auszugehen und eine undiversifizierte Investition wenig ratsam. Der wesentliche Faktor für die Zinspolitik der Zentralbanken und für die lang laufenden Staatsanleihen wird die Inflationsentwicklung sein. Die Wechselwirkung von niedriger Arbeitslosigkeit (in der EU teilweise wie seit 25 Jahren nicht mehr), immer noch beschränktem Zugang von Arbeitskräften aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten und trotz guter Konjunktur nicht sanierten Budgets der Staaten treibt die Inflation lehrbuchmäßig in die Höhe. Die EZB mit ihrem Auftrag, für Preisstabilität zu sorgen, ist aber ein relativ neuer Faktor in diesem Umfeld und es bleibt abzuwarten, inwiefern die Marktteilnehmer auf eine erfolgreiche Strategie der EZB vertrauen. Davon wird die Entwicklung der Staatsanleihen im Jahr 2008 abhängen.

USD weiterhin unter Druck


Die Finanzmarktturbulenzen haben den USD stark unter Druck gebracht. Im Jahresverlauf verlor der USD gegenüber dem Euro über 11,0 Prozent. Kurzfristig dürfte sich der Leitzinsabstand zwischen den USA und dem Euro-Raum weiter verringern und einen anhaltenden Belastungsfaktor für den USD darstellen. Die meisten Marktteilnehmer gehen auch für die nächsten Monate von einer anhaltenden USD-Schwäche aus. Die Zinssenkungen der US-Notenbank sollten aber dazu beitragen, dass die US-Wirtschaft im Verlauf des Jahres 2008 wieder an Schwung gewinnt. Aufgrund dessen und infolge einer stärkeren Verlagerung der Last der USD-Abwertung vom Euro zu den asiatischen Währungen dürfte der Euro den Höchststand im Jahr 2007 erreicht haben.

Makrodaten bestimmen Rohölpreis

Vor allem die starke Nachfrage von Wachstumsländern wie China und Indien auf der einen Seite und die begrenzten Ressourcen auf der anderen Seite sorgten im vergangenen Jahr für den starken Preisanstieg an den internationalen Ölmärkten. Nun gibt es erste Anzeichen für eine Trendwende bei den Rohölpreisen. Aufgrund der Kreditkrise und der Erwartung einer Abkühlung der weltweiten Konjunktur rechnet der Markt für die kommenden Monate mit einer schwächeren Nachfrage. Aktuell liegt der Ölpreis der Sorte WTI bei 94 USD pro Fass und damit immer noch etwa 60 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Nach den neuesten Prognosen von Experten sollte sich die fundamentale Seite weiter entspannen und der Ölpreis in Richtung 75 USD pro Fass tendieren.

Bewertung spricht für Aktien

Wie Berechnungen von Thomson Financial zeigen, ist das Gewinnwachstum der S&P500-Unternehmen im 3. Quartal 2007 auf -3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen. Die aktuelle Berichtssaison ist damit die erste seit fünf Jahren, in der die Gewinne zurückgehen. Vor allem die Gewinneinbrüche im Bankensektor trugen dazu bei, dass die Unternehmensberichte durchschnittlich 1,2 Prozent unter den Erwartungen der Analysten veröffentlicht wurden. Nimmt man den Finanzsektor aus der Berechnung heraus, ist das Gewinnwachstum positiv. Die Unternehmen sind insgesamt recht liquide und nur teilweise von der Kreditverknappung betroffen. Die Prognosen für das Gewinnwachstum der S&P500-Unternehmen liegen zwar nur bei 4,0 Prozent für 2007, für 2008 wird aber bereits wieder mit einem Wachstum von 14,4 Prozent gerechnet. Für die Stoxx600-Unternehmen betragen die Schätzungen 8,2 Prozent für 2007 und 9,0 Prozent für 2008. In den Schwellenländern ist die Gewinndynamik in den letzten drei Monaten angestiegen, wobei die Schätzungen für Hongkong und China besonders stark sind. Aufgrund des lediglich moderaten Anstiegs der Aktienindizes im Jahr 2007 sind die Bewertungen an den wichtigsten Börsen weiterhin günstig. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das Jahr 2007 beträgt das KGV für den DJ Stoxx50 12,25 und für den S&P500 16,28.

Unsere Positionierung für 2008

Auch wenn die Gewinne im Jahr 2008 etwas magerer ausfallen dürften als in den vergangenen Jahren, bieten Aktien nach wie vor höhere Gewinnchancen als Renten. In nächster Zeit werden zwar weitere schlechte Nachrichten in Zusammenhang mit der Subprime-Krise an die Öffentlichkeit dringen und für anhaltende Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten sorgen. Das Gewinnwachstum der Unternehmen, die niedrigen Bewertungen und das dank den Schwellenländern nach wie vor kräftige Weltwirtschaftswachstum sind aber Faktoren, die für Aktien sprechen. Unsere Asset Allocation setzt verstärkt auf das Wachstum in den Märkten Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas. Auch die Wirtschaft in Europa ist robust und die Bewertung attraktiv, wir bleiben bei unserer neutralen Gewichtung der europäischen Aktienmärkte. Vor dem Hintergrund der erhöhten Risiken für die US-Konjunktur sind wir weiterhin zurückhaltend im Hinblick auf das Potential von US-Aktien. Japanische Aktien durchleben nach wie vor eine schwierige Zeit. Wir denken, dass das Potential außerhalb Japans größer ist und haben unsere taktische Untergewichtung verstärkt.

Ausblick und Strategie für Zentral- und Osteuropa (CEE) 2008

2007 war erneut ein sehr gutes Jahr für Emerging Markets (Stand: 11.12.2007). Allerdings war die Entwicklung alles andere als einheitlich. Während Asien vom Boom in China profitieren und mit wenigen Ausnahmen (Japan und Taiwan) ausgezeichnet performen konnte, war das Bild in Osteuropa geprägt von einer Zäsur knapp vor Jahresmitte. Hatten russische Schwergewichte noch zu Beginn des Jahres Mühe, mit anderen osteuropäischen Indizes mitzuhalten, so drehte das Bild gegen Jahresmitte. Der russische Leitindex übernahm in den Turbulenzen des zweiten Jahres durch seine defensiveren Schwergewichte wieder eine deutlich gewichtigere Rolle. Und dennoch: Russland konnte in diesem Jahr nicht mit Polen oder dem tschechischen Aktienmarkt mithalten.

Das Jahr war geprägt von einer Reihe brisanter Themen:

Kein Zweifel, dass insbesondere das zweite Halbjahr von den schlechten Nachrichten vom US-Häusermarkt und der als Folge eintretenden Kreditkrise schwer geprägt war. Zwei heftige Korrekturen im Juli/August und im Oktober/November waren Ergebnis der zunehmenden Unsicherheit über das Ausmaß der Wachstumsverlangsamung in den USA, der als Folge aufkommenden Risikoaversion und den schlechten Nachrichten vom US-Bankensektor. Die Reaktion der Märkte war überall zu spüren, besonders stark fiel sie allerdings im small & midcap-Bereich aus. Auch der CEE-Raum kam als Folge der global zunehmenden Risikoaversion unter Druck. Die Reaktion der Fed ließ nicht lange auf sich warten, sie senkte den Leitzins Mitte September um 50 und Ende Oktober erneut um 25 Basispunkte. Der neuerliche Zinsschritt im Dezember war ebenfalls erwartet worden, das nachgelegte Statement allerdings einigermaßen enttäuschend, da die Fed Wachstums- und Inflationsrisiken als gleichwertig ansah, wodurch weitere Zinssenkungserwartngen einen Dämpfer erhalten hatten. Vom hohen Ölpreis zeigten sich die Märkte jedenfalls unbeeindruckt.

Russland profitierte naturgemäß vom hohen Ölpreis. Aber nicht, wie weithin angenommen, über die Ölmultis - in der Tat gehören die Ölmultis sogar zu den Underperformern in Russland seit Jahresbeginn -, sondern über Sektoren mit Exposure zum privaten Konsum. Die mit den Öleinnahmen nach Russland strömenden Mittel werden über das Steuersystem in andere Regionen der Wirtschaft umgeleitet oder einfach in Liquidität umgewandelt. Viel von dieser Liquidität floss in große Börsengänge, die vor allem im ersten Halbjahr in Russland für eine schwächere Entwicklung des breiten Marktes sorgten.

Der größte Treiber der russischen Volkswirtschaft ist nicht mehr der Export (von Öl), sondern der private Konsum und Unternehmensinvestitionen. Dazu kommt noch das Polit-Thema. Die Duma-Wahlen haben mit einem klaren Sieg der Putin-Partei geendet. Auch die Spekulationen um die Nachfolge Putins als Präsident bei den Wahlen im März 2008 haben nun ein Ende. Die Ernennung Dmitri Medwedews - seines Zeichens Vorsitzender des Aufsichtsrats von Gazprom - als Kandidat für die Präsidentschaft wurde von den Märkten durchaus positiv aufgenommen, da Medwedew als liberal gilt und den wirtschaftlichen Reformkurs weiterführen sollte.

In Polen sind die Wachstumsraten deutlich besser als erwartet. Im 3. Quartal wuchs die Wirtschaft gar um 6,4 Prozent. Auch hier ist die Binnennachfrage einer der ganz wesentlichen Wachstumstreiber, gleichzeitig geht die Arbeitslosigkeit zurück. Kein Wunder, dass die polnische Notenbank bereits im 2. Quartal 2007 auf einen Zinsanhebungszyklus eingeschwenkt ist, der auch noch nicht beendet sein dürfte. In Polen - wie in den meisten Ländern der Region auch - wurden die Konsumentenpreise zuletzt sehr stark von den steigenden Preisen bei Lebensmitteln beeinflusst. Die Abwahl Jaroslaw Kaczynskis als Premier bei den Parlamentswahlen im Herbst war von politischer Seite wohl das bedeutendste Ereignis in Polen.

In Ungarn befindet sich das Budget als Folge der Sparmaßnahmen zwar auf dem Weg der Besserung, die Maßnahmen haben aber zweifellos Spuren im privaten Konsum hinterlassen. Mittlerweile weist Ungarn sogar eine der geringsten Wachstumsraten innerhalb der EU auf. Ungarn muss sich derzeit auf den Export in andere EU-Länder verlassen, die Binnennachfrage kann hier - anders als in Polen, Tschechien oder Russland - kaum Impulse liefern.

Dennoch: Die Region weist mehr als doppelt so hohe Wachstumsraten wie Westeuropa oder die USA auf, nicht nur für 2007, sondern aller Voraussicht nach auch für 2008. Die Wachstumstreiber sind derart, dass sie von der globalen Konjunktur deutlich unabhängiger sind als noch vor ein paar Jahren. Allerdings wird in CEE das Inflationsthema 2008 eine deutlich stärkere Rolle spielen als 2007.

Strategie für 2008

Grundlage unserer Anlagestrategie für Osteuropa ist, dass sich die Wachstumstreiber der Volkswirtschaften als robust erweisen. Entscheidend für die Attraktivität der Region ist das weiterhin stark wachsende verfügbare Einkommen der Bevölkerung. Weiters gehen wir davon aus, dass es sich bei den jüngsten Turbulenzen an den hiesigen Kapitalmärkten um ein Sentiment- und weniger um ein fundamentales Problem handelt. So besteht die Finanzierungsbasis der CEE-Banken oft zu einem Gutteil aus Spareinlagen, das Geschäftsfeld mit strukturierten Investmentprodukten steckt in CEE noch in den Kinderschuhen und die private Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ist noch immer weit von saturierten Volkswirtschaften entfernt. Insofern tendieren wir dazu, den Finanzsektor als reinstes Konsumplay erneut stärker zu gewichten. Als weiteres Einzelthema sticht auch das geplante Infrastrukturpaket in Russland ins Auge. Sektoren, die davon profitieren sollten, sind Stahl, Kohle und die Bauwirtschaft.

Der Kapitalstrom nach Russland sollte auch im neuen Jahr hoch bleiben, da von einem abrupten Ölpreisrückgang derzeit nicht auszugehen ist. Der Haushaltsüberschuss wird in naher Zukunft tendenziell eher abgebaut werden. Damit sind wieder Bereiche wie Infrastruktur und Modernisierung der Verwaltung (IT-Ausgaben) berührt. Insbesondere im Infrastrukturbereich hat Russland großen Nachholbedarf, da ansonsten die veraltete Infrastruktur bald zum Bremsklotz einer stark wachsenden Wirtschaft wird. Weiters hat Medwedew bereits für den - wahrscheinlichen - Fall seiner Wahl zum Präsidenten ein größeres Sozialpaket angekündigt, der private Konsum wird also weiterhin Unterstützung erfahren.

Als Folge der Änderungen in den betreffenden Strukturen der Volkswirtschaften und den folglich steigenden verfügbaren Einkommen werden auch der Nahrungsmittel-, Transport- und der Freizeitsektor in den Mittelpunkt rücken. Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich mit zunehmendem Wohlstand, die Nachfrage nach Fleisch beispielsweise wächst deutlich.

Steigende Einkommen, hohe Kapitalzuflüsse und rückläufige Arbeitslosigkeit sind allerdings auch Nährboden für inflationären Druck. Die Notenbanken werden (weiterhin) reagieren müssen und als Folge wird vor allem bei Banken mit schwacher Marktposition der Margendruck größer werden, trotz nach wie vor sehr hoher Wachstumsraten. Die wahrscheinliche Wachstumsabschwächung in den USA, sich abschwächende Leistungsbilanzen in einigen Regionen in CEE (z.B. Rumänien) und schlechte Nachrichten von einigen Finanzdienstleistern werden aber auch sicher noch im 1. Quartal 2008 eine Rolle spielen. Die geänderten Strukturen der Volkswirtschaften der Emerging Markets führen aber auch zu einer geänderten Rolle für die globale Wirtschaft. 2007 war ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig diese Rolle bereits geworden ist.

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