Inhalt:
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9.7.2010:
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Vertrauenskrise im Euroraum
Ausgelöst durch das Schuldendebakel in Griechenland hat sich die Vertrauenskrise auf immer mehr Länder des Euroraums ausgebreitet. Selbst nachdem die europäischen Staaten einen EUR 750 Mrd. schweren Rettungsschirm für finanzschwache Länder verabschiedet hatten, standen die Kurse von Aktien und Unternehmensanleihen weiterhin stark unter Druck. Die Zweifel der Marktteilnehmer an der Zahlungsfähigkeit der Peripheriestaaten gingen in Angst vor einem Zerfall der Währungsunion und einem Rückfall in die Rezession über. Die beginnende Konsolidierung der europäischen Staatshaushalte rief Befürchtungen über die negativen Auswirkungen der Sparpakete auf die Konjunktur hervor.
Für Risikoaversion sorgten auch die zunehmende Regulierung der Finanzmärkte sowie die Straffung der monetären Zügel in den Schwellenländern. Der Weltwirtschaftsmotor China legte im ersten Quartal 2010 um 11,9 Prozent zu. Um eine Kredit- und Immobilienblase zu verhindern, hat die Regierung in den vergangenen Monaten damit begonnen, das Kreditwachstum einzudämmen und die massiven Konjunkturmaßnahmen zurückzufahren.
Bis Ende Mai wurden vorwiegend negative Meldungen in den Aktienkursen verarbeitet. Seit seinem Höchststand am 15. April gab der MSCI World um knapp 16 Prozent nach. Auch der Euro hat kein einfaches Quartal hinter sich, der Wertverlust gegenüber dem USD betrug knapp 10 Prozent.
Grafik: Renditen 10-jähriger europäischer Staatsanleihen
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik1_2010Q2.gif
Im Juni wurden dann auch wieder positive Impulse aufgenommen und die Risikobereitschaft der Anleger begann sich zu stabilisieren. Abgesehen von dem Einfluss, der durch das milliardenschwere Rettungspaket auf die Finanzmärkte ausging, war es wichtig, Gemeinsamkeit und Entscheidungskraft zu signalisieren. Kurzfristig sorgte dieser gemeinsame Kraftakt dann auch tatsächlich für die erhoffte Beruhigung in Form von steigenden Aktienkursen und eine Verringerung der Risikoprämien am Anleihemarkt. Seit damals hat sich die Situation an den Märkten jedoch wieder verschlechtert. Probleme im spanischen Sparkassensektor und politische Turbulenzen durch Wahlen, Rücktritte etc. haben die Risikoaversion wieder in den Vordergrund rücken lassen. Zuletzt gesellten sich zu diesen unerfreulichen Tatsachen noch einige Konjunkturvorlaufindikatoren, die auf beiden Seiten des Atlantiks negativ überraschten.
Grafik: Performance der verschiedenen Anlageklassen im zweiten Quartal 2010
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik2_2010Q2.gif
Ausblick - Positionierung
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Europa und USA - Streit um die richtige Konjunkturpolitik
Staaten mit relativ geringen Defiziten wie zum Beispiel Deutschland oder die Niederlande sollten weiterhin eine expansive Konjunkturpolitik betreiben, um nicht durch fiskalische Konsolidierung das ohnehin nur sehr zaghafte Wirtschaftswachstum wieder abzuwürgen. So zumindest lauten die Forderungen der amerikanischen Regierung. Deutschlands Verschuldung liegt mit knapp 79 Prozent des Bruttoinlandsprodukts tiefer als in Amerika (rund 94 Prozent). Trotzdem bleiben Deutschland und die meisten anderen Eurolandstaaten beim Sparkurs und dafür gibt es gute Gründe. Die Entwicklung des Schuldenstandes hängt in hohem Maße vom Wirtschaftswachstum ab und die Prognosen für die nächsten Quartale sind sehr verhalten. Die EZB geht für Euroland aktuell nur von einem Wachstum von 1 Prozent im Jahr 2010 und 1,2 Prozent im Jahr 2011 aus. Die Wirtschaftskrise macht es aber nicht nur notwendig, sie bietet auch die Chance, alte Strukturen aufzubrechen und Ausgabeversprechen zurückzunehmen, die nicht mehr finanzierbar sind.
Die gute Nachricht ist, dass das Zinsniveau noch über einen längeren Zeitraum hinweg ausgesprochen niedrig bleiben und die EZB den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik sehr vorsichtig gestalten dürfte. Auch die Abwertung des Euro wird eine starke Abschwächung der Konjunktur verhindern und den negativen Auswirkungen der globalen Wachstumsverlangsamung auf die Auslandsnachfrage entgegenwirken.
Die USA möchten dagegen noch länger an der derzeitigen expansiven Finanzpolitik festhalten. Trotzdem dürfte sich die Dynamik der konjunkturellen Expansion nach einem starken ersten Halbjahr in den nächsten Monaten auch in den USA abschwächen. Die US-Notenbank rechnet im Jahr 2010 mit einem Wachstum von 3,15 Prozent und im Jahr 2011 mit 3,95 Prozent. Durch die zunehmende Investitionstätigkeit der Unternehmen dürfte es zwar zu einer allmählichen Verbesserung des Arbeitsmarktes und einer weiterhin stabilen Einkommensentwicklung kommen. Der nächste Schritt im Konjunkturzyklus - ein Anziehen des privaten Konsums - dürfte aber nicht stark genug ausfallen, um die nachlassenden positiven Impulse aus dem Lagerzyklus auszugleichen.
Der US-Kongress hat sich auf eine umfassende Finanzreform geeinigt, die eine Wiederholung der zurückliegenden Finanzkrise unmöglich machen soll. Sie beinhaltet schärfere Regeln für Finanzinstitute, mehr Macht für Kontrolleure und besseren Verbraucherschutz. Zudem erhält die Regierung die Möglichkeit, kollabierende Finanzinstitute zu übernehmen und abzuwickeln. Obwohl die Regulierung weniger gravierend ist als erwartet, wird sie die Gewinne der Banken in Zukunft belasten.
Grafik: Fortsetzung des Aufschwungs in moderaterem Tempo, aber keine Rezession
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik3_2010Q2.gif
Japan: Politische Wirren
An der Instabilität der japanischen Regierung hat sich auch durch den Regierungswechsel nichts geändert. Nach nur neun Monaten trat Premierminister Hatoyama (Demokratische Partei Japans - DPJ) von seinem Amt zurück. Als sein Nachfolger wurde Naoto Kan gekürt, der angekündigt hat, die Politik seines Vorgängers weiterzuführen.
Das Wahlprogramm der DPJ für die im Juli anstehenden Oberhaus-Wahlen sieht eine Reform des Steuersystems vor. Anders als bei den Unterhaus-Wahlen, bei denen die privaten Haushalte mit Kindergeld und dem Ökopunktesystem im Vordergrund standen, zielt das Programm nun auf die Unternehmen ab. Eine Reduktion der Unternehmenssteuer soll die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen verbessern. Eine weitere Änderung betrifft die Mehrwertsteuer, die angehoben werden soll. Die aktuellen Umfragen zur Unterstützung der Regierungspartei machen den Ausgang der Wahlen spannend.
China: Flexiblere Bandbreiten des Wechselkurses
Kurz vor dem G20-Gipfel in Toronto hat die Führungsspitze Chinas angekündigt, in Zukunft flexiblere Wechselkurse zuzulassen. Wie erwartet handelt es sich dabei nicht um einen starken Aufwertungsschritt der bisher an den USD gekoppelten Währung, sondern um eine Rückkehr zu flexibleren Bandbreiten, wobei die Referenzgröße ein Währungskorb sein soll. Es ist davon auszugehen, dass dadurch ein Anstieg von 3 bis 5 Prozent des Yuan gegenüber dem USD auf Jahressicht erreicht wird. In den ersten Tagen nach der Ankündigung hat sich jedoch kaum eine Änderung gezeigt.
Dieser Schritt beweist aber auch, dass die Wirtschaft die von der Regierung gewünschte Entwicklung nimmt. Andernfalls wäre man zu diesem Zugeständnis wohl kaum bereit gewesen. Das Wachstum Chinas wird weiterhin hoch bleiben, allerdings von den Niveaus der letzten Quartale zurückkommen. Dies ist neben den von der Regierung gesetzten Maßnahmen auf ein Abflachen des starken Wachstums der Exporte zurückzuführen.
In den asiatischen Ländern und insbesondere in China bemüht man sich bereits die lokale Nachfrage anzuheben, um eine Abhängigkeit von den entwickelten Märkten zu reduzieren. Die zuletzt gesehenen Lohnanstiege und die Erhöhungen von Mindestlöhnen in einigen Provinzen zielen in diese Richtung. Nur so ist gewährleistet, dass auch weiterhin hohe Wachstumszahlen unabhängig von der Entwicklung der Weltmärkte gewährleistet werden können.
Positive Impulse vom Gewinnzyklus
Zur Entspannung beitragen dürfte die weiterhin positive Entwicklung des Gewinnzyklus. Dies umso mehr, als die positiven Überraschungen eher durch das Umsatzwachstum und weniger durch Kostensenkungen bewirkt werden. Die im zweiten Quartal vorherrschende unübliche Kombination von stark positiven Gewinnrevisionen und deutlichen Kurskorrekturen ist nun in eine eher normale, von stabilen Gewinnen begleitete Erholung übergegangen. Die Angst vor Staatspleiten und Sparprogrammen hat keine Umkehr der Gewinndynamik bewirkt und die stabilen Gewinne deuten auch für das zweite Quartal auf eine positive Berichtssaison hin. Für das laufende Jahr wird weltweit ein kräftiges Wachstum von knapp 32 Prozent erwartet, während die Prognose für das nächste Jahr bei 19 Prozent liegt.
Der Rückgang der Kurse in Kombination mit höheren Gewinnerwartungen führte zu günstigeren Bewertungen.
Dennoch glauben wir, dass die Märkte noch einige Zeit volatil bleiben, mittelfristig sollte sich das Risiko für Aktieninvestoren aber wieder lohnen. Die Mehrheit der Investoren schätzt die Lage derzeit offenbar eher pessimistisch ein, die Stimmung kann aber schnell ins Positive kippen. In unseren gemischten Portfolios positionieren wir uns deshalb nach wie vor neutral. Angesichts der ernsthaften Bemühungen um die Sanierung der europäischen Haushalte halten wir eine Reduktion des Untergewichts in Europa für gerechtfertigt, setzen aber stärker auf den Norden. Auch in den USA bleiben wir aufgrund der fundamentalen Risiken noch leicht untergewichtet.
Wir favorisieren weiterhin die Schwellenmärkte, sind aber etwas vorsichtiger und haben unser Übergewicht in Asien zugunsten Japans reduziert. Die Wirtschaftsdaten Japans haben sich zuletzt verbessert, in den nächsten Monaten ist jedoch eine Abflachung dieser Entwicklung zu erwarten. Wir bleiben deshalb weiterhin vorsichtig gewichtet und konzentrieren uns auf Unternehmen, die im Bereich der erneuerbaren Energie beziehungsweise energiesparender Technologien tätig sind und häufig auch eine beherrschende Position am Weltmarkt halten.
Mit europäischem Schulterschluss in die Zukunft
Die nachlassende Konjunkturdynamik kann auch in den kommenden Monaten vermehrt Unsicherheit auslösen. Zudem ist auf politischer Ebene noch einiges zu klären. Die Sparpakete entfalten ihre Wirkung in unterschiedlichem Tempo, ihre Entwicklung wird jedoch in jedem Fall mit Argusaugen beobachtet. Das gilt insbesondere für Griechenland, das in den vergangenen Wochen wieder mit deutlichen Ausweitungen der Risikoaufschläge konfrontiert war. Zudem werden immer wieder Stimmen laut, die eine Adaption der Grundstruktur der Eurozone bzw. der europäischen Institutionen erwägen. Wenngleich dies als positives Ergebnis der Krise zu werten ist, so ist dessen kurzfristiger Effekt eher negativ einzustufen. Auf Unsicherheit wird von den Finanzmärkten meist mit Kursverlusten reagiert. Für den europäischen Rentenmarkt bedeutet das wohl weiterhin Rückenwind für die Kernländer, allen voran natürlich Deutschland. Der Druck auf die Peripherie könnte vor diesem Hintergrund weiter bestehen bleiben.
Allerdings sollte man das Ziel nicht aus den Augen verlieren. In diesem Fall bedeutet das die Chance, die Europäische Union - bereichert um die Erfahrungen der letzten Krise - neu für die Zukunft zu positionieren. In diesem Zusammenhang ist es durchaus zu begrüßen, dass Europa den Weg in die Zukunft nicht mit einem schweren und immer schwerer werdenden Schulden-Rucksack gehen möchte und einzelne Länder bereits ihren Beitrag dazu geleistet haben. Dennoch: Wir stehen am Anfang einer Reise, deren Ziel eine höhere Krisenresistenz, geringer verschuldete Staaten und ein geeinteres Europa ist. Die die Zukunft antizipierenden Finanzmärkte werden jedoch nicht erst am Ende, sondern schon während des Weges für Marscherleichterung sorgen - vorausgesetzt natürlich, dass der Weg konsequent und auf eine glaubwürdige Art beschritten wird. Unter diesen Umständen wirkt es nicht übertrieben, mittelfristig eine Einengung der Risikoaufschläge bei Euro-Staaten und höhere Aktienkurse zu erwarten.
Gutmann Portfolio Management Bericht 2. Quartal 2010
- Kurz gefasst
- Rückblick 2. Quartal 2010
- Ausblick - Positionierung
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- Entgegen der Forderung der USA, weiterhin eine expansive Konjunkturpolitik zu betreiben, bleiben europäische Staaten mit relativ geringen Defiziten - wie zum Beispiel Deutschland oder die Niederlande - bei ihrem Sparkurs.
- Die Wirtschaftskrise macht es aber nicht nur notwendig, sie bietet auch die Chance, alte Strukturen aufzubrechen und Ausgabeversprechen zurückzunehmen, die nicht mehr finanzierbar sind.
- Die die Zukunft antizipierenden Finanzmärkte werden nicht erst am Ende, sondern schon während des Weges für Marscherleichterung sorgen - vorausgesetzt natürlich, dass der Weg konsequent und auf eine glaubwürdige Art beschritten wird.
- Unter diesen Umständen wirkt es nicht übertrieben, mittelfristig eine Einengung der Risikoaufschläge bei Euro-Staaten und höhere Aktienkurse zu erwarten.
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Vertrauenskrise im Euroraum
Ausgelöst durch das Schuldendebakel in Griechenland hat sich die Vertrauenskrise auf immer mehr Länder des Euroraums ausgebreitet. Selbst nachdem die europäischen Staaten einen EUR 750 Mrd. schweren Rettungsschirm für finanzschwache Länder verabschiedet hatten, standen die Kurse von Aktien und Unternehmensanleihen weiterhin stark unter Druck. Die Zweifel der Marktteilnehmer an der Zahlungsfähigkeit der Peripheriestaaten gingen in Angst vor einem Zerfall der Währungsunion und einem Rückfall in die Rezession über. Die beginnende Konsolidierung der europäischen Staatshaushalte rief Befürchtungen über die negativen Auswirkungen der Sparpakete auf die Konjunktur hervor.
Für Risikoaversion sorgten auch die zunehmende Regulierung der Finanzmärkte sowie die Straffung der monetären Zügel in den Schwellenländern. Der Weltwirtschaftsmotor China legte im ersten Quartal 2010 um 11,9 Prozent zu. Um eine Kredit- und Immobilienblase zu verhindern, hat die Regierung in den vergangenen Monaten damit begonnen, das Kreditwachstum einzudämmen und die massiven Konjunkturmaßnahmen zurückzufahren.
Bis Ende Mai wurden vorwiegend negative Meldungen in den Aktienkursen verarbeitet. Seit seinem Höchststand am 15. April gab der MSCI World um knapp 16 Prozent nach. Auch der Euro hat kein einfaches Quartal hinter sich, der Wertverlust gegenüber dem USD betrug knapp 10 Prozent.
Grafik: Renditen 10-jähriger europäischer Staatsanleihen
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik1_2010Q2.gif
Im Juni wurden dann auch wieder positive Impulse aufgenommen und die Risikobereitschaft der Anleger begann sich zu stabilisieren. Abgesehen von dem Einfluss, der durch das milliardenschwere Rettungspaket auf die Finanzmärkte ausging, war es wichtig, Gemeinsamkeit und Entscheidungskraft zu signalisieren. Kurzfristig sorgte dieser gemeinsame Kraftakt dann auch tatsächlich für die erhoffte Beruhigung in Form von steigenden Aktienkursen und eine Verringerung der Risikoprämien am Anleihemarkt. Seit damals hat sich die Situation an den Märkten jedoch wieder verschlechtert. Probleme im spanischen Sparkassensektor und politische Turbulenzen durch Wahlen, Rücktritte etc. haben die Risikoaversion wieder in den Vordergrund rücken lassen. Zuletzt gesellten sich zu diesen unerfreulichen Tatsachen noch einige Konjunkturvorlaufindikatoren, die auf beiden Seiten des Atlantiks negativ überraschten.
Grafik: Performance der verschiedenen Anlageklassen im zweiten Quartal 2010
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik2_2010Q2.gif
Ausblick - Positionierung
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Europa und USA - Streit um die richtige Konjunkturpolitik
Staaten mit relativ geringen Defiziten wie zum Beispiel Deutschland oder die Niederlande sollten weiterhin eine expansive Konjunkturpolitik betreiben, um nicht durch fiskalische Konsolidierung das ohnehin nur sehr zaghafte Wirtschaftswachstum wieder abzuwürgen. So zumindest lauten die Forderungen der amerikanischen Regierung. Deutschlands Verschuldung liegt mit knapp 79 Prozent des Bruttoinlandsprodukts tiefer als in Amerika (rund 94 Prozent). Trotzdem bleiben Deutschland und die meisten anderen Eurolandstaaten beim Sparkurs und dafür gibt es gute Gründe. Die Entwicklung des Schuldenstandes hängt in hohem Maße vom Wirtschaftswachstum ab und die Prognosen für die nächsten Quartale sind sehr verhalten. Die EZB geht für Euroland aktuell nur von einem Wachstum von 1 Prozent im Jahr 2010 und 1,2 Prozent im Jahr 2011 aus. Die Wirtschaftskrise macht es aber nicht nur notwendig, sie bietet auch die Chance, alte Strukturen aufzubrechen und Ausgabeversprechen zurückzunehmen, die nicht mehr finanzierbar sind.
Die gute Nachricht ist, dass das Zinsniveau noch über einen längeren Zeitraum hinweg ausgesprochen niedrig bleiben und die EZB den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik sehr vorsichtig gestalten dürfte. Auch die Abwertung des Euro wird eine starke Abschwächung der Konjunktur verhindern und den negativen Auswirkungen der globalen Wachstumsverlangsamung auf die Auslandsnachfrage entgegenwirken.
Die USA möchten dagegen noch länger an der derzeitigen expansiven Finanzpolitik festhalten. Trotzdem dürfte sich die Dynamik der konjunkturellen Expansion nach einem starken ersten Halbjahr in den nächsten Monaten auch in den USA abschwächen. Die US-Notenbank rechnet im Jahr 2010 mit einem Wachstum von 3,15 Prozent und im Jahr 2011 mit 3,95 Prozent. Durch die zunehmende Investitionstätigkeit der Unternehmen dürfte es zwar zu einer allmählichen Verbesserung des Arbeitsmarktes und einer weiterhin stabilen Einkommensentwicklung kommen. Der nächste Schritt im Konjunkturzyklus - ein Anziehen des privaten Konsums - dürfte aber nicht stark genug ausfallen, um die nachlassenden positiven Impulse aus dem Lagerzyklus auszugleichen.
Der US-Kongress hat sich auf eine umfassende Finanzreform geeinigt, die eine Wiederholung der zurückliegenden Finanzkrise unmöglich machen soll. Sie beinhaltet schärfere Regeln für Finanzinstitute, mehr Macht für Kontrolleure und besseren Verbraucherschutz. Zudem erhält die Regierung die Möglichkeit, kollabierende Finanzinstitute zu übernehmen und abzuwickeln. Obwohl die Regulierung weniger gravierend ist als erwartet, wird sie die Gewinne der Banken in Zukunft belasten.
Grafik: Fortsetzung des Aufschwungs in moderaterem Tempo, aber keine Rezession
http://www.gutmann.at/uploads/pics/Grafik3_2010Q2.gif
Japan: Politische Wirren
An der Instabilität der japanischen Regierung hat sich auch durch den Regierungswechsel nichts geändert. Nach nur neun Monaten trat Premierminister Hatoyama (Demokratische Partei Japans - DPJ) von seinem Amt zurück. Als sein Nachfolger wurde Naoto Kan gekürt, der angekündigt hat, die Politik seines Vorgängers weiterzuführen.
Das Wahlprogramm der DPJ für die im Juli anstehenden Oberhaus-Wahlen sieht eine Reform des Steuersystems vor. Anders als bei den Unterhaus-Wahlen, bei denen die privaten Haushalte mit Kindergeld und dem Ökopunktesystem im Vordergrund standen, zielt das Programm nun auf die Unternehmen ab. Eine Reduktion der Unternehmenssteuer soll die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen verbessern. Eine weitere Änderung betrifft die Mehrwertsteuer, die angehoben werden soll. Die aktuellen Umfragen zur Unterstützung der Regierungspartei machen den Ausgang der Wahlen spannend.
China: Flexiblere Bandbreiten des Wechselkurses
Kurz vor dem G20-Gipfel in Toronto hat die Führungsspitze Chinas angekündigt, in Zukunft flexiblere Wechselkurse zuzulassen. Wie erwartet handelt es sich dabei nicht um einen starken Aufwertungsschritt der bisher an den USD gekoppelten Währung, sondern um eine Rückkehr zu flexibleren Bandbreiten, wobei die Referenzgröße ein Währungskorb sein soll. Es ist davon auszugehen, dass dadurch ein Anstieg von 3 bis 5 Prozent des Yuan gegenüber dem USD auf Jahressicht erreicht wird. In den ersten Tagen nach der Ankündigung hat sich jedoch kaum eine Änderung gezeigt.
Dieser Schritt beweist aber auch, dass die Wirtschaft die von der Regierung gewünschte Entwicklung nimmt. Andernfalls wäre man zu diesem Zugeständnis wohl kaum bereit gewesen. Das Wachstum Chinas wird weiterhin hoch bleiben, allerdings von den Niveaus der letzten Quartale zurückkommen. Dies ist neben den von der Regierung gesetzten Maßnahmen auf ein Abflachen des starken Wachstums der Exporte zurückzuführen.
In den asiatischen Ländern und insbesondere in China bemüht man sich bereits die lokale Nachfrage anzuheben, um eine Abhängigkeit von den entwickelten Märkten zu reduzieren. Die zuletzt gesehenen Lohnanstiege und die Erhöhungen von Mindestlöhnen in einigen Provinzen zielen in diese Richtung. Nur so ist gewährleistet, dass auch weiterhin hohe Wachstumszahlen unabhängig von der Entwicklung der Weltmärkte gewährleistet werden können.
Positive Impulse vom Gewinnzyklus
Zur Entspannung beitragen dürfte die weiterhin positive Entwicklung des Gewinnzyklus. Dies umso mehr, als die positiven Überraschungen eher durch das Umsatzwachstum und weniger durch Kostensenkungen bewirkt werden. Die im zweiten Quartal vorherrschende unübliche Kombination von stark positiven Gewinnrevisionen und deutlichen Kurskorrekturen ist nun in eine eher normale, von stabilen Gewinnen begleitete Erholung übergegangen. Die Angst vor Staatspleiten und Sparprogrammen hat keine Umkehr der Gewinndynamik bewirkt und die stabilen Gewinne deuten auch für das zweite Quartal auf eine positive Berichtssaison hin. Für das laufende Jahr wird weltweit ein kräftiges Wachstum von knapp 32 Prozent erwartet, während die Prognose für das nächste Jahr bei 19 Prozent liegt.
Der Rückgang der Kurse in Kombination mit höheren Gewinnerwartungen führte zu günstigeren Bewertungen.
Dennoch glauben wir, dass die Märkte noch einige Zeit volatil bleiben, mittelfristig sollte sich das Risiko für Aktieninvestoren aber wieder lohnen. Die Mehrheit der Investoren schätzt die Lage derzeit offenbar eher pessimistisch ein, die Stimmung kann aber schnell ins Positive kippen. In unseren gemischten Portfolios positionieren wir uns deshalb nach wie vor neutral. Angesichts der ernsthaften Bemühungen um die Sanierung der europäischen Haushalte halten wir eine Reduktion des Untergewichts in Europa für gerechtfertigt, setzen aber stärker auf den Norden. Auch in den USA bleiben wir aufgrund der fundamentalen Risiken noch leicht untergewichtet.
Wir favorisieren weiterhin die Schwellenmärkte, sind aber etwas vorsichtiger und haben unser Übergewicht in Asien zugunsten Japans reduziert. Die Wirtschaftsdaten Japans haben sich zuletzt verbessert, in den nächsten Monaten ist jedoch eine Abflachung dieser Entwicklung zu erwarten. Wir bleiben deshalb weiterhin vorsichtig gewichtet und konzentrieren uns auf Unternehmen, die im Bereich der erneuerbaren Energie beziehungsweise energiesparender Technologien tätig sind und häufig auch eine beherrschende Position am Weltmarkt halten.
Mit europäischem Schulterschluss in die Zukunft
Die nachlassende Konjunkturdynamik kann auch in den kommenden Monaten vermehrt Unsicherheit auslösen. Zudem ist auf politischer Ebene noch einiges zu klären. Die Sparpakete entfalten ihre Wirkung in unterschiedlichem Tempo, ihre Entwicklung wird jedoch in jedem Fall mit Argusaugen beobachtet. Das gilt insbesondere für Griechenland, das in den vergangenen Wochen wieder mit deutlichen Ausweitungen der Risikoaufschläge konfrontiert war. Zudem werden immer wieder Stimmen laut, die eine Adaption der Grundstruktur der Eurozone bzw. der europäischen Institutionen erwägen. Wenngleich dies als positives Ergebnis der Krise zu werten ist, so ist dessen kurzfristiger Effekt eher negativ einzustufen. Auf Unsicherheit wird von den Finanzmärkten meist mit Kursverlusten reagiert. Für den europäischen Rentenmarkt bedeutet das wohl weiterhin Rückenwind für die Kernländer, allen voran natürlich Deutschland. Der Druck auf die Peripherie könnte vor diesem Hintergrund weiter bestehen bleiben.
Allerdings sollte man das Ziel nicht aus den Augen verlieren. In diesem Fall bedeutet das die Chance, die Europäische Union - bereichert um die Erfahrungen der letzten Krise - neu für die Zukunft zu positionieren. In diesem Zusammenhang ist es durchaus zu begrüßen, dass Europa den Weg in die Zukunft nicht mit einem schweren und immer schwerer werdenden Schulden-Rucksack gehen möchte und einzelne Länder bereits ihren Beitrag dazu geleistet haben. Dennoch: Wir stehen am Anfang einer Reise, deren Ziel eine höhere Krisenresistenz, geringer verschuldete Staaten und ein geeinteres Europa ist. Die die Zukunft antizipierenden Finanzmärkte werden jedoch nicht erst am Ende, sondern schon während des Weges für Marscherleichterung sorgen - vorausgesetzt natürlich, dass der Weg konsequent und auf eine glaubwürdige Art beschritten wird. Unter diesen Umständen wirkt es nicht übertrieben, mittelfristig eine Einengung der Risikoaufschläge bei Euro-Staaten und höhere Aktienkurse zu erwarten.


